Quelle: Botschaft zum Paket Bilaterale III, Kapitel 2.7 (S. 549–561)
PDF der Botschaft
Die EU ist die wichtigste Handelspartnerin der Schweiz bei Agrarerzeugnissen: 51 Prozent der Exporte und 73 Prozent der Importe im Agrarsektor entfallen auf die EU, mit einem Handelsvolumen von über 16 Mrd. CHF pro Jahr. Das Landwirtschaftsabkommen (LwA) von 1999 regelt Zollzugeständnisse, den Käsefreihandel, die Bio-Anerkennung und den Schutz von geografischen Angaben (GUB/GGA).
Im Rahmen der Bilateralen III wird das bestehende Abkommen institutionell abgesichert, wobei die Souveränität der Schweizer Agrarpolitik vollumfänglich gewahrt bleibt: Keine dynamische Rechtsübernahme, kein Abbau des Grenzschutzes, keine Harmonisierung der Agrarpolitik.
Das Landwirtschaftsabkommen besteht künftig aus zwei Teilen:
Der bestehende Agrarteil regelt:
Zentral: Der Agrarteil unterliegt KEINER dynamischen Rechtsübernahme und KEINER Harmonisierung der Agrarpolitik.
Der neue Lebensmittelsicherheitsteil wird via Protokoll in das bestehende Abkommen integriert. Er regelt die gegenseitige Anerkennung von Lebensmittelsicherheitsstandards und erleichtert den Handel mit verarbeiteten Lebensmitteln.
Die Schweiz hat in den Verhandlungen (11 formelle Runden, materiell abgeschlossen am 20.12.2024) umfassende Souveränitätsgarantien durchgesetzt:
| Bereich | Garantie |
|---|---|
| Zölle | Bestehender Grenzschutz bleibt unverändert |
| Kontingente | Keine Änderung der bestehenden Kontingente |
| Bewirtschaftungsmethoden | Schweizer Produktionsstandards bleiben eigenständig |
| Agrarpolitik | Keine Harmonisierung mit der EU-Agrarpolitik (GAP) |
| Direktzahlungen | Schweizer Direktzahlungssystem nicht betroffen |
| Dynamische Rechtsübernahme | Im Agrarteil ausdrücklich ausgeschlossen |
Die Streitbeilegung im Agrarteil unterscheidet sich wesentlich von anderen Bilaterale-III-Abkommen:
Die Vernehmlassung ergab 74 Stellungnahmen:
| Position | Anzahl | Wichtige Akteure |
|---|---|---|
| Befürwortend | 50 | Kantone, diverse Verbände, FDP, Mitte, SP, GLP |
| Dagegen | 6 | SVP, vereinzelte Organisationen |
| Keine klare Position | 18 | u.a. Schweizer Bauernverband (SBV) |
Der SBV nimmt eine differenzierte Haltung ein:
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1999 | Unterzeichnung des Landwirtschaftsabkommens (Bilaterale I) |
| 2002 | Inkrafttreten |
| 2007 | Vollständige Liberalisierung des Käsehandels |
| 2024 | 11 formelle Verhandlungsrunden zu Bilaterale III |
| 20.12.2024 | Materieller Abschluss der Verhandlungen |
Die Botschaft hält fest, dass das aktualisierte Landwirtschaftsabkommen keine relevanten Auswirkungen hat auf:
Dies ergibt sich daraus, dass der bestehende Rahmen — Grenzschutz, Kontingente, Agrarpolitik — unverändert bleibt.
| Thema | Detail |
|---|---|
| Abkommen | Landwirtschaftsabkommen (LwA) |
| In Kraft seit | 1999/2002 (Bilaterale I) |
| EU-Anteil Agrarexporte | 51% |
| EU-Anteil Agrarimporte | 73% |
| Handelsvolumen | Über 16 Mrd. CHF/Jahr |
| Struktur | Agrarteil (bestehend) + Lebensmittelsicherheit (neu) |
| Dynamische Rechtsübernahme | Im Agrarteil ausgeschlossen |
| Grenzschutz | Unverändert (Zölle, Kontingente) |
| Agrarpolitik | Keine Harmonisierung |
| Streitbeilegung | Schiedsgericht ohne EuGH-Rolle |
| Ausgleichsmassnahmen | Nur bei LwA-Verletzung, nicht abkommensübergreifend |
| Vernehmlassung | 50 dafür, 6 dagegen, 18 keine klare Position (von 74) |
| SBV-Position | Alternativlos, aber mit Bedingungen |
| Auswirkungen | Keine relevanten |