Quelle: Botschaft zum Paket Bilaterale III, Kapitel 2.4 (S. 472–491)
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Das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (MRA) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Abkommen der Bilateralen I. Es beseitigt technische Handelshemmnisse, indem Prüfungen und Zertifizierungen gegenseitig anerkannt werden. Das MRA deckt 20 Produktbereiche ab — von Maschinen über Medizinprodukte bis zu Bauerzeugnissen — und umfasst rund zwei Drittel des Werts aller schweizerisch-europäischen Industrieprodukte mit einem Exportvolumen von 105 Mrd. CHF (Stand 2024).
Seit 2021 ist das MRA im Bereich Medizinprodukte blockiert: Die EU hat das Kapitel nicht mehr aktualisiert, was Schweizer Herstellern erhebliche Mehrkosten verursacht. Die Bilateralen III sollen diese Blockade lösen und das MRA institutionell absichern.
Das MRA basiert auf der Äquivalenzmethode: Die Schweiz muss nicht EU-Recht eins zu eins übernehmen, sondern ein gleichwertiges Ergebnis erzielen. Schweizerische Konformitätsbewertungsstellen (z.B. METAS, SNV, Electrosuisse) können Produkte nach EU-Vorschriften prüfen und zertifizieren — und umgekehrt. Dadurch entfallen doppelte Prüfungen und damit verbundene Kosten.
Das MRA umfasst folgende Sektoren (Auswahl):
| Bereich | Beispiele |
|---|---|
| Maschinen | Werkzeugmaschinen, Industrieroboter |
| Medizinprodukte | Implantate, Diagnostika, chirurgische Instrumente |
| Bauprodukte | Zement, Fenster, Dämmstoffe |
| Elektrotechnik | Niederspannungsgeräte, EMV |
| Druckgeräte | Kessel, Rohrleitungen |
| Aufzüge | Personen- und Lastenaufzüge |
| Messgeräte | Waagen, Gasanalysatoren |
| Persönliche Schutzausrüstung | Helme, Schutzhandschuhe |
Die EU hat 2017 die Medizinprodukteverordnung (MDR) und die In-vitro-Diagnostika-Verordnung (IVDR) erlassen. Seit Mai 2021 ist die MDR in Kraft — die EU hat das entsprechende MRA-Kapitel jedoch nicht aktualisiert, da kein institutionelles Rahmenabkommen bestand.
Die Aktualisierung des MRA-Kapitels Medizinprodukte hat höchste Priorität. Die Schweiz strebt an, das Kapitel bereits vor Inkrafttreten des gesamten Bilaterale-III-Pakets zu aktualisieren.
Das MRA erhält ein eigenes institutionelles Protokoll mit:
Das Änderungsprotokoll aktualisiert das bestehende MRA und integriert die institutionellen Bestimmungen.
Die Schweiz erhält das Recht, an folgenden Gremien teilzunehmen:
Die Vernehmlassung zum MRA ergab 68 Stellungnahmen:
| Position | Anzahl | Wichtige Akteure |
|---|---|---|
| Befürwortend | 56 | Kantone, economiesuisse, Swissmem, Swiss Medtech, FDP, Mitte, SP, GLP |
| Dagegen | 3 | SVP, vereinzelte Organisationen |
| Keine klare Position | 9 | Diverse |
Die grosse Mehrheit begrüsst die institutionelle Absicherung und die rasche Lösung der Medizinprodukte-Blockade.
| Position | Betrag/Umfang |
|---|---|
| Elektronisches Monitoringsystem | 250'000 CHF (einmalig) |
| Zusätzliches Personal SECO | 2 VZÄ (Vollzeitäquivalente) |
| Zusätzliches Personal Mission Brüssel | 1 VZÄ |
Die Ecoplan-Studie beziffert den BIP-Effekt bei einem Wegfall des MRA auf -4.9% bis 2045. Das MRA ist damit das wirtschaftlich bedeutendste bilaterale Abkommen.
| Thema | Detail |
|---|---|
| Abkommen | MRA — Gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen |
| In Kraft seit | 1999 (Bilaterale I) |
| Produktbereiche | 20 Sektoren |
| Exportvolumen | 105 Mrd. CHF (2024) |
| Methode | Äquivalenzmethode (gleichwertiges Ergebnis, nicht identische Regeln) |
| Medizinprodukte-Blockade | Seit Mai 2021, Lösung hat höchste Priorität |
| Betroffene Unternehmen | ca. 1'400 mit 63'000 Beschäftigten |
| Institutionelles Protokoll | IP-MRA + ÄP-MRA |
| Decision Shaping | Teilnahme MDCG und weitere Ausschüsse |
| BIP-Effekt Wegfall | -4.9% bis 2045 |
| Vernehmlassung | 56 dafür, 3 dagegen (von 68) |
| Umsetzungskosten | 250'000 CHF + 3 VZÄ |
| Gesetzgebung | Keine Umsetzungsgesetzgebung nötig |