Zum Inhalt
Verein in Gründung
Pilotbetrieb

Diese Plattform befindet sich im Pilotbetrieb. Trotz sorgfältiger Prüfung können Inhalte und Funktionen Fehler enthalten. Bitte überprüfe wichtige Angaben anhand der verlinkten Originalquellen.

SW-Version alpha 0.41
Darstellung: System
Sprache: DE

Finanzplatz und neue Wertordnung

Der Franken als letzter Stabilitätsanker

In einer Welt, in der Fiat-Währungen an Vertrauen verlieren, könnte der Schweizer Franken eine seiner grössten Stärken ausspielen: Stabilität durch demokratische Kontrolle.

Die Logik ist einfach. Der US-Dollar hat seit der Aufhebung der Goldbindung 1971 über 99 Prozent seines Goldwertes verloren [1]. Der Euro kämpft mit strukturellen Problemen der Eurozone. Kryptowährungen sind volatil. In diesem Umfeld steht der Franken als eine der wenigen Währungen, die von einer unabhängigen, demokratisch rechenschaftspflichtigen Zentralbank gemanagt wird -- der Schweizerischen Nationalbank (SNB) [2].

Drei Chancen für den Finanzplatz

1. Treuhänder einer neuen Wertordnung

Die Schweiz ist seit Jahrhunderten Treuhänder für Vermögen aus aller Welt -- nicht wegen Bankgeheimnis oder Steuervorteilen, sondern wegen Rechtssicherheit, politischer Stabilität und institutioneller Verlässlichkeit.

In einer Welt, in der KI die Wertschöpfung von menschlicher Arbeit entkoppelt, werden neue Formen der Wertaufbewahrung entstehen: digitale Assets, tokenisierte Realwerte, KI-generierte Intellectual Property. Die Schweiz kann zum Treuhänder dieser neuen Wertordnung werden -- so wie sie es für irdische Vermögen seit Jahrhunderten ist.

2. Digital Asset Custody

Die Schweizer Finanzbranche beschäftigt sich bereits intensiv mit Digital Asset Custody -- der sicheren Verwahrung digitaler Vermögenswerte [3]. Die FINMA hat 2019 als eine der ersten Aufsichtsbehörden weltweit klare Richtlinien für Krypto-Assets erlassen [4]. Banken wie Sygnum und SEBA (heute AMINA) haben Banklizenzen für digitale Vermögenswerte erhalten.

Der Kanton Zug -- das «Crypto Valley» -- beherbergt über 1000 Blockchain- und Krypto-Unternehmen [5]. Diese Infrastruktur ist ein Vorsprung, der ausgebaut werden kann:

  • Regulatorische Klarheit: Weiterentwicklung des DLT-Gesetzes, das 2021 in Kraft trat [6].
  • Institutionelle Verwahrung: Pension Funds, Staatsfonds und Family Offices suchen sichere Lösungen für digitale Assets.
  • Tokenisierung: Immobilien, Kunstwerke, Infrastrukturprojekte als tokenisierte Anlagen auf Schweizer Rechtsgrundlage.

3. KI-gestützte Finanzdienstleistungen

KI verändert die Finanzbranche fundamental:

  • Risikobewertung: KI-Modelle analysieren Kreditrisiken präziser als traditionelle Scoring-Methoden [7].
  • Compliance: Automatisierte Geldwäscheprüfung (AML) und Know-Your-Customer (KYC) Prozesse.
  • Vermögensverwaltung: Algorithmengestützte Portfoliooptimierung für institutionelle und private Anleger.
  • Betrugserkennung: Echtzeit-Analyse von Transaktionsmustern.

Schweizer Banken können diese Technologien nutzen, um ihre traditionellen Stärken -- Diskretion, Präzision, Verlässlichkeit -- in die digitale Welt zu übersetzen.

Das SNB-Modell für den KI-Bürgerfonds

Die SNB bietet ein Modell, das für den vorgeschlagenen KI-Bürgerfonds (siehe Bürgerdividende) direkt relevant ist:

  • Unabhängigkeit: Die SNB agiert unabhängig vom politischen Tagesgeschäft -- per Verfassung [2].
  • Transparenz: Regelmässige Berichterstattung, klare Rechenschaftspflicht.
  • Gewinnausschüttung: Die SNB schüttet jährlich Gewinne an Bund und Kantone aus -- ein Mechanismus, der auf den KI-Bürgerfonds übertragen werden kann.

Ein unabhängig verwalteter KI-Bürgerfonds, nach dem Vorbild der SNB organisiert, würde die Schweizer Tradition der institutionellen Unabhängigkeit fortschreiben -- und gleichzeitig sicherstellen, dass die KI-Wertschöpfung den Bürgern zugutekommt.

Risiko: Die fiskalische Lücke in einer Währungskrise

Die im Gedankenexperiment berechnete fiskalische Lücke von 75 bis 116 Milliarden Franken gewinnt eine zusätzliche Dimension, wenn die Währung selbst an Stabilität verliert. In einem Szenario, in dem digitale Währungen den Löwenanteil aller Transaktionen abwickeln, muss der Franken seinen Wert durch reale Wirtschaftsleistung und institutionelles Vertrauen verteidigen -- nicht durch Druckerpresse oder Schulden.

Der Finanzplatz Schweiz hat die besten Voraussetzungen, um in dieser neuen Welt zu bestehen -- aber nur, wenn er sich aktiv anpasst, statt auf vergangene Stärken zu vertrauen.

Fazit

Die Kombination aus Währungsstabilität, regulatorischer Klarheit, technologischer Kompetenz und institutioneller Verlässlichkeit macht die Schweiz zum natürlichen Treuhänder einer Welt, in der die Grenzen zwischen physischem und digitalem Vermögen verschwimmen.


Quellen

[1] Mayer, T.: Die neue Ordnung des Geldes. FinanzBuch Verlag, 2014.

[2] Schweizerische Nationalbank (SNB): Rechtliche Grundlagen, Bundesverfassung Art. 99.

[3] Swiss Bankers Association (SBA): Digital Assets Report 2024.

[4] FINMA: Wegleitung für Unterstellungsanfragen betreffend ICOs, 2019.

[5] CV VC: Top 50 Report -- Crypto Valley, 2024.

[6] Bundesgesetz zur Anpassung des Bundesrechts an Entwicklungen der Technik verteilter elektronischer Register (DLT-Gesetz).

[7] Bank for International Settlements (BIS): Artificial Intelligence in Financial Services.