Stand: März 2026.
Die Produktion moderner Drohnen- und Marschflugkörperabwehrsysteme erfordert eine Reihe spezialisierter Rohstoffe, deren Verfügbarkeit zunehmend zu einem strategischen Faktor wird. Insbesondere seltene Erden — eine Gruppe von 17 chemischen Elementen — sind für Hochenergielaser, leistungsstarke Permanentmagnete und fortgeschrittene Optiken unverzichtbar. Die Konzentration der Förderung und Verarbeitung in wenigen Ländern, allen voran China, schafft Abhängigkeiten, die geopolitisch instrumentalisiert werden können.

Neodym ist der zentrale Rohstoff für Neodym-Eisen-Bor-Permanentmagnete (NdFeB), die stärksten kommerziell verfügbaren Permanentmagnete. In der Verteidigungstechnologie finden sie Verwendung in:
Die Qualität der Magnete beeinflusst direkt die Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision von Luftverteidigungssystemen. Hochtemperaturstabile NdFeB-Magnete, die bei den Betriebstemperaturen von Waffensystemen zuverlässig funktionieren, erfordern zusätzlich Dysprosium und Terbium als Legierungszusätze.
Ytterbium und Erbium sind Schlüsselelemente für Festkörperlaser und Faseroptik:
Neben seltenen Erden sind weitere Materialien verteidigungsrelevant:
| Rohstoff | Anwendung | Hauptproduzent |
|---|---|---|
| Gallium | GaN-Halbleiter für AESA-Radar | China (>80 %) |
| Germanium | Infrarot-Optik für Suchköpfe | China (~60 %) |
| Wolfram | Penetratoren, Geschosse | China (~80 %) |
| Kobalt | Batterien für UAS | DR Kongo (~70 %) |
| Lithium | Batterien für Drohnen und mobile Systeme | Australien, Chile, China |
China dominiert die globale Lieferkette seltener Erden auf mehreren Stufen:
Diese Dominanz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger strategischer Industriepolitik. Bereits 1992 erklärte Deng Xiaoping: «Der Nahe Osten hat Öl, China hat seltene Erden.»
China hat die Bereitschaft zur Instrumentalisierung dieser Monopolstellung mehrfach demonstriert:
Für die europäische Verteidigungsindustrie bedeutet dies ein konkretes Eskalationsrisiko: Im Falle einer geopolitischen Krise — etwa eines Taiwan-Konflikts — könnten Lieferketten für Schlüsselkomponenten von Luftverteidigungssystemen innert Wochen unterbrochen werden.
Mehrere Initiativen zielen auf die Reduktion der China-Abhängigkeit:
Langfristig werden technologische Lösungen die Abhängigkeit reduzieren:
Die Schweiz verfügt über keine eigene Förderung seltener Erden, ist aber über die ETH Zürich und die Empa an der Forschung zu Recyclingtechnologien beteiligt. Das VBS berücksichtigt Lieferketten-Resilienz zunehmend als Beschaffungskriterium. Die Teilnahme am Minerals Security Partnership als assoziiertes Land wurde diskutiert, ist aber aufgrund neutralitätspolitischer Erwägungen noch nicht umgesetzt.
[1] USGS — Mineral Commodity Summaries: Rare Earths 2025
[2] European Commission — Critical Raw Materials Act
[3] IEA — The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions
[4] SIPRI — Mapping the International Presence of the World's Largest Arms Companies
[5] CSIS — China's Export Controls on Gallium and Germanium
[6] Lynas Rare Earths — Annual Report 2024
[7] Defense News — Pentagon pushes to secure rare earth supply chains