Stand: März 2026.
Nicht jedes Schutzobjekt kann mit aktiven Abwehrsystemen wie Jammern oder Abfangdrohnen geschützt werden — sei es aus rechtlichen, finanziellen oder praktischen Gründen. Physische Barrieren bieten eine ergänzende Lösung: Sie fangen Drohnen passiv ab, ohne Energie zu verbrauchen, ohne Kollateralschäden zu verursachen und ohne rechtliche Hürden im Telekommunikationsbereich. Die architektonische Integration solcher Systeme ist dabei von zentraler Bedeutung — Schutz darf die Nutzbarkeit und Ästhetik von Gebäuden nicht grundlegend beeinträchtigen.
Physische Netzbarrieren funktionieren nach einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Ein Netz aus Edelstahlseilen oder Hochleistungstextilien wird über oder um ein Schutzobjekt gespannt. Anfliegende Drohnen verfangen sich in der Netzstruktur und werden physisch gestoppt, bevor sie das Ziel erreichen. Im Gegensatz zu aktiven Systemen benötigt dieses Konzept keine Detektion, keine Reaktionszeit und keine Energieversorgung.
| Eigenschaft | Passives Netz | Aktives C-UAS |
|---|---|---|
| Energiebedarf | Null | Hoch |
| Reaktionszeit | Sofort (permanent aktiv) | Sekunden bis Minuten |
| Rechtliche Hürden | Minimal | Erheblich (TKG, Luftrecht) |
| Sättigungsresistenz | Hoch | Begrenzt (Magazin/Energie) |
| Wartung | Minimal | Regelmässig |
| Kosten pro geschützten m² | Moderat (einmalig) | Hoch (laufend) |
| Kollateralschaden | Keiner | Möglich (Trümmerfall) |
Die Jakob AG aus Trubschachen im Emmental (Kanton Bern) ist ein weltweit führender Hersteller von Edelstahl-Seilsystemen und Netzstrukturen. Das 1904 gegründete Unternehmen liefert seit über 100 Jahren massgeschneiderte Lösungen in mehr als 55 Länder [1]. Ursprünglich für Architektur-, Sicherheits- und Fassadenanwendungen entwickelt, gewinnt die Technologie zunehmend Bedeutung im Drohnenschutz.
Das Kernprodukt für den Schutzbereich ist das sogenannte Webnet — ein Netz aus Edelstahlseilen, das sich durch folgende Eigenschaften auszeichnet [2]:
Für den Schutz kritischer Infrastruktur kommen verschiedene Konfigurationen in Frage:
Edelstahl-Netze (typisch AISI 316 / 1.4401) bieten:
Als Alternative oder Ergänzung kommen Hochleistungs-Textilnetze zum Einsatz:
Textilnetze eignen sich besonders für temporäre Installationen (Grossveranstaltungen) und für Situationen, in denen geringes Gewicht entscheidend ist.
Für den zivilen Einsatz besteht ein grundlegender Zielkonflikt: Der Schutz muss wirksam sein, darf aber die Nutzbarkeit und das Erscheinungsbild des geschützten Objekts nicht wesentlich beeinträchtigen. Ein Kernkraftwerk, das wie ein Gefängnis aussieht, wäre öffentlich kaum akzeptabel — und Stadien oder Veranstaltungsorte erfordern ungehinderte Sichtlinien und Fluchtwege.
Die architektonische Integration gelingt durch mehrere Strategien:
Obwohl spezifische Drohnenschutz-Installationen aus Sicherheitsgründen selten öffentlich dokumentiert werden, zeigen verwandte Anwendungen die Machbarkeit:
Passive Netzbarrieren entfalten ihre volle Wirksamkeit in Kombination mit anderen Massnahmen:
Die Pentagon-Richtlinie zur physischen Schutzinfrastruktur von 2026 stellt Netzbarrieren und gehärtete Strukturen erstmals gleichwertig neben aktive Abwehrsysteme [3]. Diese Entwicklung signalisiert eine breitere Akzeptanz passiver Massnahmen in der institutionellen Verteidigungsplanung. Für die Schweiz, mit ihrer Tradition des passiven Schutzes (Zivilschutzanlagen, alpine Festungswerke), bietet sich die Chance, diese Kompetenz auf den zivilen Infrastrukturschutz zu übertragen.
[1] Jakob Rope Systems — Unternehmenswebsite
[2] Jakob Rope Systems — Protection and Safety
[3] Hardened Structures, Nets For Drone Defense Front And Center In New Pentagon Guidance — The War Zone
[4] Anti-Drone Nets for Military & Defence Protection — Barbed Wire Razor
[5] Physical Protection of Critical Infrastructure — JIATF-401
[6] Why CUAS Infrastructure Protection Is More Important Than Ever — DroneShield