Die Frage ist nicht, ob wir uns ein Grundeinkommen leisten können. Die Frage ist, ob wir uns leisten können, keines zu haben.
Innerhalb von zwei Jahren muss eine neue Volksinitiative für eine Bürgerdividende lanciert werden. Die Finanzierung erfolgt über eine KI-Wertschöpfungsabgabe. Der Übergang vollzieht sich in drei Phasen und löst langfristig die AHV ab.
Die AHV basiert auf Lohnbeiträgen. Wenn KI die Arbeit von Buchhaltern, Analysten und Juristen übernimmt, fallen die Beiträge weg -- während die Leistungsansprüche bestehen bleiben. Die AHV wurde 1948 geschaffen für eine Welt, in der Menschen vierzig Jahre erwerbstätig waren und dann fünfzehn Jahre Rente bezogen [1].
Zwei Entwicklungen untergraben dieses Modell:
Die AHV gibt heute rund 50 Milliarden Franken pro Jahr aus. Die fiskalische Lücke durch KI-Verdrängung könnte bis 2050 auf 75 bis 116 Milliarden anwachsen [5].
Die Idee ist nicht links. Milton Friedman -- Nobelpreisträger, Vater des Monetarismus, Berater von Ronald Reagan -- schlug 1962 die negative Einkommensteuer vor: Wer unter einem Schwelleneinkommen liegt, erhält eine Zuzahlung, ohne Bedürftigkeitsprüfung [6]. Friedrich Hayek befürwortete ein Grundeinkommen aus demselben Grund: Es schafft Freiheit vom Staat, nicht Abhängigkeit [7].
Die Schweiz hat eine einzigartige Genossenschaftstradition: Migros, Coop, Raiffeisen, Mobiliar. Ein KI-Bürgerfonds nach genossenschaftlichem Prinzip wäre die logische Fortschreibung:
| Phase | Zeitraum | Bürgerdividende | AHV-Status |
|---|---|---|---|
| 1 | 2028--2035 | ca. 500 CHF/Monat als Ergänzung | AHV bleibt bestehen |
| 2 | 2035--2045 | steigt auf 2'500 CHF/Monat | AHV wird in Dividende integriert |
| 3 | ab 2045 | universelle Dividende | AHV, IV, Sozialhilfe abgelöst |
Die BVG-Rente (berufliche Vorsorge) bleibt als kapitalgedecktes Zusatzeinkommen bestehen -- sie finanziert sich aus Vermögen, nicht aus Lohnbeiträgen.

Beschreibung: Drei-Phasen-Modell des Übergangs von der AHV zur Bürgerdividende: Phase 1 (2028--2035): Bürgerdividende als Ergänzung (~500 CHF/Monat), AHV bleibt bestehen. Phase 2 (2035--2045): Bürgerdividende steigt auf ~2'500 CHF/Monat, AHV wird schrittweise integriert. Phase 3 (ab 2045): Universelle Bürgerdividende löst AHV, IV und Sozialhilfe ab. Rot = AHV-Auszahlungen (sinkend). Grün = Bürgerdividende (steigend). Modellrechnung basierend auf BSV-Daten (AHV-Ausgaben ~50 Mrd. CHF/Jahr, 2024).

Beschreibung: Was bedeutet die Bürgerdividende für das individuelle Einkommen? Arbeitende (blau): Der Medianlohn von ~80’000 CHF/Jahr bleibt stabil -- die Bürgerdividende (grüne Fläche) kommt als universelles Zusatzeinkommen obendrauf und steigt bis 2050 auf ~29’200 CHF/Jahr (~2’437 CHF/Monat). Rentner (rot): Die AHV-Rente von ~22’800 CHF/Jahr (gestrichelte Linie) sinkt schrittweise auf null -- wird aber durch die gleiche universelle Bürgerdividende exakt ersetzt. Kein Netto-Anstieg: 2050 erhalten Rentner ~29’200 CHF/Jahr (= 22’800 + Teuerung). Bevölkerungswachstum berücksichtigt: ~6,9 Mio. Erwachsene (2025) → ~8,1 Mio. (2050), gemäss BFS-Referenzszenario.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Brutto-BGE (2'500 CHF/Mt. × 9 Mio. Erwachsene + 1'500 CHF × 1,5 Mio. Minderjährige) | 297 Mrd. CHF |
| Abzug: wegfallende Sozialtransfers (AHV, IV, EL, Sozialhilfe) | −80 Mrd. CHF |
| Abzug: Einkommenssteuern auf BGE, Konsumrückfluss | variabel |
| Netto-Finanzierungsbedarf | 150--180 Mrd. CHF |
| Heutige Lohnabgaben (die bis 2050 wegfallen) | 220 Mrd. CHF |
Die KI-Wertschöpfungsabgabe, eine Finanztransaktionssteuer und die Umwidmung bestehender Sozialbudgets könnten den Nettobedarf decken.
| Studie | Ergebnis |
|---|---|
| Finnland (2017--2018, KELA) | Empfänger waren glücklicher, gesünder und genauso oft erwerbstätig [10]. |
| Stockton, USA (SEED, 2019--2021) | Vollzeitbeschäftigung stieg von 28 auf 40 Prozent [11]. |
| Kenia (GiveDirectly, seit 2016) | Langfristige positive Effekte auf Unternehmertum und Gesundheit [12]. |
Am 5. Juni 2016 stimmte die Schweiz als erstes Land über ein BGE ab: 76,9 Prozent sagten Nein [13]. Zehn Jahre später hat sich die Ausgangslage fundamental verändert. ChatGPT existierte nicht. Die KOF ETH hatte keine messbaren Arbeitsmarkteffekte dokumentiert. Die Singularität war Science-Fiction. Die Welt von 2016 existiert nicht mehr.
[2] BFS, Bevölkerungsszenarien 2023--2055, Referenzszenario A-00-2025.
[3] McKinsey Global Institute: A Future That Works: Automation, Employment, and Productivity. 2017.
[4] KOF ETH Zürich, Arbeitsmarkteffekte generativer KI, 2023.
[5] BFS; SNB; SECO; McKinsey; eigene Modellrechnung.
[6] Friedman, Milton: Capitalism and Freedom. University of Chicago Press, 1962.
[8] Alaska Permanent Fund Corporation.
[9] Norges Bank Investment Management, Government Pension Fund Global.
[10] KELA (Finnische Sozialversicherung): Abschlussbericht BGE-Experiment, 2020.
[11] Stockton Economic Empowerment Demonstration (SEED): Abschlussbericht, 2021.