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Darstellung: System
Sprache: DE

Forderung 8: Innovation schützen

Regulierung darf nicht zum Schutzwall für Grosskonzerne werden.


Kernforderung

Proportionale Anforderungen für KMU, Regulatory Sandboxes und klare Fristen. Die Schweiz hat die Chance, einen schlankeren Regulierungsansatz zu entwickeln als die EU -- und damit zu zeigen, wie es besser geht.


Das Problem: Regulierung als Markteintrittsbarriere

Der EU AI Act als Warnung

Der EU AI Act ist das weltweit erste umfassende KI-Gesetz. Er klassifiziert KI-Systeme nach Risikostufen und verlangt für Hochrisiko-Systeme umfangreiche Dokumentation, Konformitätsbewertungen und laufende Überwachung [1].

Die Intention ist richtig. Die Auswirkung könnte fatal sein:

  • Compliance-Kosten: Schätzungen liegen bei 200'000 bis 400'000 Euro pro KI-System für die initiale Konformitätsbewertung. Für ein Start-up mit zehn Mitarbeitenden kann das existenzbedrohend sein [2].
  • Asymmetrische Belastung: Google, Microsoft und Meta können sich ganze Compliance-Abteilungen leisten. Ein Zürcher Start-up kann das nicht.
  • Rechtsunsicherheit: Viele Begriffe im AI Act sind vage definiert. Was genau ist ein "Hochrisiko-System"? Ab wann ist ein KI-System "hinreichend transparent"? Die Auslegung wird Jahre dauern -- Jahre, in denen europäische Start-ups zögern und amerikanische und chinesische Giganten weiter investieren.

Die Zahlen

Die EU investiert rund 1 Milliarde Euro pro Jahr in KI-Forschung. Die USA investieren über 60 Milliarden Dollar (privat und öffentlich). China investiert ähnliche Summen [3]. Wenn Europa seine wenigen Ressourcen in Compliance statt in Innovation steckt, wird es zur regulierten Wüste mit importierter Technologie.


Der Schweizer Weg: Proportional und pragmatisch

Proportionale Anforderungen

Nicht jedes KI-System braucht dieselbe Regulierung. Ein Chatbot für eine Bäckerei ist kein medizinisches Diagnosesystem. Die Schweiz sollte ein abgestuftes Modell einführen:

Risikostufe Beispiele Anforderungen
Minimal Chatbots, Empfehlungssysteme, Spam-Filter Kennzeichnung als KI, keine weitere Pflicht
Niedrig KI in Marketing, Logistik, Kundenservice Dokumentation, Beschwerdemechanismus
Hoch Medizin, Justiz, Kreditvergabe, Strafverfolgung Volle Konformität, unabhängiges Audit
Verboten Biometrische Massenüberwachung, Social Scoring Absolutes Verbot

Regulatory Sandboxes

Regulatory Sandboxes sind geschützte Räume, in denen Start-ups und Forschungseinrichtungen KI-Systeme testen können, ohne sofort alle regulatorischen Anforderungen erfüllen zu müssen. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA betreibt seit 2019 eine Fintech-Sandbox -- dasselbe Modell lässt sich auf KI übertragen [4].

Vorteile:

  • Start-ups können schneller testen und iterieren
  • Regulierer lernen aus der Praxis, bevor sie regulieren
  • Die Schweiz zieht internationale KI-Unternehmen an

Klare Fristen

Regulierungsverfahren müssen zeitlich begrenzt sein. Wenn eine Behörde innerhalb von 90 Tagen nicht entscheidet, gilt die Genehmigung als erteilt (Genehmigungsfiktion). Das verhindert, dass Innovation in bürokratischen Warteschleifen stirbt.


Schweizer Standortvorteil

Die Schweiz belegt im Global Innovation Index seit Jahren einen Spitzenplatz [5]. Dieser Vorsprung ist kein Naturgesetz -- er muss verteidigt werden. Die Kombination aus exzellenter Forschung (ETH, EPFL), starkem Patentschutz, stabiler Rechtsordnung und pragmatischer Regulierung ist ein Standortvorteil, den kein anderes Land in dieser Form bietet.

Eine KI-Regulierung, die Innovation erstickt, würde diesen Vorteil zerstören. Eine KI-Regulierung, die Risiken adressiert und gleichzeitig Freiheit lässt, würde ihn stärken.


Quellen

[1] EU AI Act, Verordnung EU 2024/1689.

[2] AlgorithmWatch, Compliance Costs of the EU AI Act: Initial Estimates, 2024.

[3] Stanford HAI, AI Index Report 2024: Global AI Investment Trends.

[4] FINMA, Fintech-Bewilligung und Sandbox.

[5] WIPO, Global Innovation Index 2024.