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Begriffserklärung: Bilaterale III

Dieses Glossar erklärt sämtliche Fachbegriffe und Abkürzungen, die im Themenbereich Bilaterale III verwendet werden.

Glossar

Begriff Erklärung
Acquis EU-Rechtsbestand — Gesamtheit aller EU-Rechtsakte, die bei einer Übernahme ins Schweizer Recht integriert werden müssen.
APK Aussenpolitische Kommission — parlamentarische Kommission für Aussenpolitik und europäische Angelegenheiten.
Bilaterale I Sieben sektorielle Abkommen zwischen der Schweiz und der EU von 1999 (Personenfreizügigkeit, Forschung, technische Handelshemmnisse, Luftverkehr, Landverkehr, Landwirtschaft, öffentliches Beschaffungswesen).
Bilaterale II Neun weitere Abkommen von 2004 (u.a. Schengen/Dublin, Zinsbesteuerung, Betrugsbekämpfung, Umwelt, Statistik, Medien, Ruhegehälter, verarbeitete Landwirtschaftsprodukte, Bildung).
Bilaterale III Geplantes Vertragspaket 2024/2025 zwischen der Schweiz und der EU zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen.
BV Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101).
Cassis-de-Dijon Prinzip der gegenseitigen Anerkennung: In der EU rechtmässig in Verkehr gebrachte Produkte dürfen grundsätzlich auch in der Schweiz verkauft werden.
Cohesion Kohäsionsbeitrag — finanzieller Beitrag der Schweiz an wirtschaftlich schwächere EU-Staaten als Gegenleistung für den Marktzugang.
Comitology Komitologie — EU-Verfahren zur Annahme von Durchführungsrechtsakten durch Ausschüsse. Relevant für die dynamische Rechtsübernahme.
EFTA European Free Trade Association — Europäische Freihandelsassoziation (Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein).
EuGH Gerichtshof der Europäischen Union — oberstes EU-Gericht. Im Streitbeilegungsmechanismus der Bilateralen III Referenzinstanz für EU-Recht.
Flankierende Massnahmen Schweizer Lohnschutzmassnahmen gegen Lohndumping bei entsandten Arbeitnehmern aus der EU. Zentrales Verhandlungsthema.
Fremde Richter Politisches Schlagwort für die Befürchtung, dass ein ausländisches Gericht (EuGH) Schweizer Recht beeinflussen könnte.
Guillotine-Klausel Verknüpfung der Bilateralen I: Wird eines der sieben Abkommen gekündigt, fallen automatisch alle anderen dahin.
Horizon Europe EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (2021–2027). Die Schweiz strebt die Vollassoziierung an.
InstA Institutionelles Rahmenabkommen — gescheitertes Abkommen CH-EU (2018 paraphiert, 2021 abgebrochen), das eine übergreifende institutionelle Lösung vorsah.
Kohäsionsmilliarde Umgangssprachlich für den Schweizer Beitrag von 1,302 Mrd. CHF an die neuen EU-Mitgliedstaaten (2007 beschlossen).
Lohnschutz Massnahmen zum Schutz des Schweizer Lohnniveaus bei grenzüberschreitender Dienstleistungserbringung.
Marktzugang Recht der Schweiz, am EU-Binnenmarkt teilzunehmen, basierend auf den bilateralen Verträgen.
MRA Mutual Recognition Agreement — Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen. Reduziert technische Handelshemmnisse.
Paketansatz Verhandlungsstrategie: Alle Themen werden als Gesamtpaket verhandelt, nicht einzeln. Konzession in einem Bereich wird mit Gewinn in einem anderen verknüpft.
Personenfreizügigkeit Recht der Bürgerinnen und Bürger, sich im Hoheitsgebiet der Vertragsparteien frei zu bewegen, aufzuhalten und zu arbeiten.
Rechtsübernahme Dynamische Rechtsübernahme — Verpflichtung der Schweiz, relevante EU-Rechtsentwicklungen in die bilateralen Abkommen zu integrieren.
SECO Staatssekretariat für Wirtschaft — zuständig für Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarkt und aussenwirtschaftliche Angelegenheiten.
SEM Staatssekretariat für Migration — zuständig für Migrationspolitik, Asyl und Personenfreizügigkeit.
Souveränität Selbstbestimmungsrecht eines Staates; die Fähigkeit, eigenständig über innere und äussere Angelegenheiten zu entscheiden.
Staatliche Beihilfen Subventionen und Vergünstigungen eines Staates an Unternehmen; die EU verlangt Disziplinen zur Verhinderung von Wettbewerbsverzerrungen.
Streitbeilegung Mechanismus zur Lösung von Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der bilateralen Abkommen. Kernstück der institutionellen Fragen.
Stromabkommen Geplantes Abkommen zur Einbindung der Schweiz in den europäischen Strommarkt. Teil der Bilateralen III.
Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut — Zulassungs- und Kontrollbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte.
Unionsbürgerrichtlinie EU-Richtlinie 2004/38/EG — regelt das Recht der EU-Bürger auf Freizügigkeit. Teilweise Gegenstand der Verhandlungen.
Ventilklausel Schutzklausel zur befristeten Begrenzung der Zuwanderung bei überdurchschnittlich hoher Einwanderung.

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung Bedeutung
APK Aussenpolitische Kommission
BV Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101)
EFTA European Free Trade Association
EuGH Gerichtshof der Europäischen Union
MRA Mutual Recognition Agreement
SECO Staatssekretariat für Wirtschaft
SEM Staatssekretariat für Migration

Stand: März 2026. Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.