Prognose: Bis 2040 werden in der Schweiz mehr als 40 Prozent aller Routinetätigkeiten von KI oder Robotern übernommen sein -- rund 32 Prozent aller Erwerbstätigen sind betroffen.
Die Automatisierung trifft nicht alle Berufe gleichzeitig. Die Reihenfolge ist kontraintuitiv: Nicht körperliche Arbeit fällt zuerst, sondern kognitive Routine.

Sachbearbeiter, Buchhalter, Kassierer, Call-Center-Mitarbeiter, Übersetzer, Steuerberater. Berufe, deren Kern aus regelbasierter Informationsverarbeitung besteht. Die KOF ETH hat den Effekt bereits gemessen: In den ersten acht Monaten nach dem Start von ChatGPT fielen die Stellenausschreibungen für Programmierer um 20 Prozent und für Bildgenerierung um 17 Prozent [1]. Avenir Suisse beziffert die Zahl der Büroarbeiter in direktem KI-Wettbewerb auf 490'000 [2].
Hier braucht es keinen Roboter -- nur Software.
Bankangestellte, Versicherungsprüfer, Radiologen, Routinejuristen, Grafiker, Nachrichtenjournalisten. Berufe, die Urteilsvermögen erfordern -- aber ein Urteilsvermögen, das auf Mustererkennung beruht. Und Mustererkennung ist genau das, was KI am besten kann.
Programmierer, Logistiker, teilweise Lehrer und Ärzte. Handwerker, Pflegepersonal, Sozialarbeiter und Kreative bleiben am längsten geschützt.
Die Ironie der Geschichte: Die Berufe, die am schlechtesten bezahlt und am wenigsten geschätzt werden, könnten die letzten sein, in denen Menschen besser sind als Maschinen.
Ein Dachdecker arbeitet auf geneigten Flächen, bei Wind und Wetter. Kein Dach gleicht dem anderen. Er muss improvisieren -- ein Ziegel passt nicht, also schneidet er ihn zu. Die Aufgabe erfordert die Kombination aus räumlichem Denken, Ganzkörperkoordination, haptischer Feinmotorik und der Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen auf Veränderungen zu reagieren.
Ein Klempner steht vor einer ähnlichen Herausforderung: Rohre verlaufen durch Wände, Decken, Böden -- und selten dort, wo die Baupläne sie vermuten. Er arbeitet auf engem Raum, muss tasten, riechen, hören. Beide Berufe haben gemeinsam, was die Automatisierung am längsten aufhält: eine unberechenbare physische Umgebung, die Notwendigkeit zur Ganzkörperaktion und Problemlösungen, die in keinem Handbuch stehen.
Das BFS zählt Ende 2024 rund 5,5 Millionen Beschäftigte in der Schweiz. Der Medianlohn liegt bei 7'024 Franken brutto pro Monat [3]. Auf jeden Franken Bruttolohn fallen rund 48 Prozent Abgaben an (AHV/IV/EO, ALV, BVG, Steuern) -- das ergibt rund 40'000 Franken pro Stelle und Jahr, die an Sozialversicherungen und Steuern fliessen.
Prognose für die fiskalische Lücke:
| Zeitpunkt | Netto verdrängte Stellen | jährliche Lücke |
|---|---|---|
| 2032 | 636'000 | 24 Mrd. CHF |
| 2040 | 1,64 Mio. | 61 Mrd. CHF |
| 2050 | 2,0 Mio. | 75--116 Mrd. CHF |
McKinsey schätzt, dass 46 Prozent aller Arbeitsstunden in der Schweiz bereits heute automatisierbar wären [4]. Die obigen Prognosen rechnen konservativer: 12 Prozent bis 2032, 32 Prozent bis 2040, 42 Prozent bis 2050.
Das Schweizer Sozialversicherungssystem, aufgebaut auf AHV-Beiträgen aus Lohnarbeit, wird neu gedacht werden müssen. Ein Sozialsystem, das auf Lohnbeiträgen beruht, kann eine Welt ohne Lohnarbeit nicht finanzieren -- egal in welcher Währung man rechnet.
Die Wirtschaftlichkeit lässt keine andere Wahl: Ein KI-System, das die Arbeit von zehn Juristen für die Kosten von einem leistet, wird von jedem profitorientierten Unternehmen eingesetzt werden. Die Geschichte der Automatisierung zeigt keinen einzigen Fall, in dem eine wirtschaftlich überlegene Technologie dauerhaft aus dem Markt gehalten werden konnte.
[1] KOF ETH Zürich: KI und der Schweizer Arbeitsmarkt -- Erste Evidenz. KOF Analysen, 2023.
[2] Avenir Suisse: Strukturwandel und Beschäftigung in der Schweiz. Zürich, 2024.
[3] Bundesamt für Statistik BFS: Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2022. Neuenburg, 2024.
[4] McKinsey Global Institute: A Future That Works: Automation, Employment, and Productivity. Januar 2017.