Prognose: Das "Peak Human" -- der Moment, an dem die Weltbevölkerung ihren Höchststand erreicht -- wird zwischen 2060 und 2080 eintreten, früher als die UN-Projektionen vermuten lassen.
Mit zunehmendem Wohlstand sinkt die Geburtenrate. Überall. Ausnahmslos. Der demografische Zusammenhang ist einer der robustesten in der Sozialwissenschaft [1].

| Land | Fertilitätsrate | Bestandserhaltung |
|---|---|---|
| Südkorea | 0,72 | -- |
| Seoul (allein) | 0,64 | -- |
| China | ~1,00 | -- |
| Japan | 1,20 | -- |
| Deutschland | 1,35 | -- |
| Schweiz | 1,39 | -- |
| Erforderlich | 2,10 | Bestandserhaltung |
| Nigeria | 5,10 | -- |
Südkorea hält mit 0,72 Kindern pro Frau den niedrigsten Wert, der jemals in einem Land gemessen wurde [2]. Kein einziges Industrieland erreicht den Wert von 2,1, der für die Bestandserhaltung nötig wäre. Nicht eines.
China, das offiziell 1,4 Milliarden Einwohner zählt, hat eine Fertilitätsrate von etwa 1,0. Die chinesische Bevölkerung schrumpft seit 2022, Jahr für Jahr um Millionen [3]. Die Ein-Kind-Politik (1979--2015) hat eine demografische Zeitbombe hinterlassen, die keine politische Massnahme mehr entschärfen kann.
Hans Rosling prägte den Begriff Peak Child: Die maximale Zahl an Kindern auf der Erde ist bereits erreicht. Die UNO schätzt, dass der Höchststand der unter fünfjährigen 2017 überschritten wurde [4]. Die Weltbevölkerung wächst noch, weil die bereits Geborenen länger leben. Aber die Basis schrumpft.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat im April 2025 seine neunte Serie der Bevölkerungsszenarien veröffentlicht [5]:

| Szenario | Bevölkerung 2055 | Trend |
|---|---|---|
| Referenz | 10,5 Mio. | Wachstum durch Migration |
| Hoch | 11,7 Mio. | Starke Zuwanderung |
| Tief | 9,3 Mio. | Rückgang ab 2041 |
Das Wachstum im Referenzszenario wird fast ausschliesslich durch Migration getrieben. Schon bald werden in der Schweiz jährlich mehr Menschen sterben als geboren werden. In beiden Szenarien altert die Gesellschaft dramatisch: Die Zahl der über 64-jährigen wird sich verdoppeln, während die Erwerbsfähige Bevölkerung stagniert oder schrumpft.
Zwei Trends verstärken sich gegenseitig:
Demografisch: Der Anteil der Erwerbsfähigen (20--64) sinkt von 65 auf 55 Prozent. Die Baby-Boomer gehen in Rente. Weniger Beitragszahler finanzieren mehr Rentner.
Technologisch: KI erodiert die verbleibende Beitragsbasis, indem sie Stellen ersetzt, deren Lohnbeiträge das System finanzieren.
Zwei Scheren, die sich gleichzeitig öffnen.
Prognose: KI wird die demografische Transformation in Entwicklungsländern dramatisch beschleunigen. Bildung, Karrierechancen für Frauen, urbane Lebensweise -- alles senkt die Fertilitätsrate. KI macht diese Prozesse zugänglich, ohne die Jahrzehnte, die der Westen dafür brauchte.
Eine schrumpfende Menschheit produziert weniger -- und braucht weniger. Das klassische Wachstumsparadigma der Ökonomie bricht zusammen. Dann braucht die Welt weniger Arbeitskräfte. Und die KI steht bereit, genau diese Lücke zu füllen.
Rentensysteme, gebaut auf wachsenden Generationen, werden neu konzipiert werden müssen. Die AHV, finanziert aus Lohnbeiträgen einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung, steht vor ihrer fundamentalsten Herausforderung seit der Gründung 1948.
[1] Rosling, Hans: Factfulness: Ten Reasons We're Wrong About the World. Flatiron Books, 2018.
[2] Statistics Korea (KOSTAT): Birth Statistics 2023. Daejeon, 2024.
[3] National Bureau of Statistics of China: Statistical Communiqué 2022. Peking, 2023.
[4] United Nations: World Population Prospects 2024. Department of Economic and Social Affairs, New York, 2024.
[5] Bundesamt für Statistik BFS: Bevölkerungsszenarien 2025--2055, 9. Serie. Neuenburg, April 2025.