Prognose: KI-optimierte Fusionsreaktoren und direkter Kohlenstoffentzug aus der Atmosphäre werden die CO2-Problematik lösen. Die klassische Ökobewegung, die auf Verzicht setzt, wird politisch irrelevant werden.
Die KI-Revolution frisst Energie in einem Ausmass, das selbst Experten überrascht. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt den globalen Stromverbrauch von Rechenzentren im Jahr 2024 auf rund 415 Terawattstunden -- etwa 1,5 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs [1]. Bis 2030 soll sich dieser Wert auf über 945 TWh mehr als verdoppeln -- das entspricht dem gesamten Stromverbrauch Japans.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Rechenzentren weltweit 2024 | 415 TWh |
| Prognose 2030 | 945 TWh |
| Wachstumsrate | 15% pro Jahr |
| Anteil USA + China | 80% |
| Schweizer Gesamtverbrauch | 58 TWh |
Ein einziges Training eines grossen Sprachmodells wie GPT-4 verbraucht so viel Strom wie 10'000 Schweizer Haushalte in einem Jahr [2]. Und das ist nur das Training. Der laufende Betrieb -- Milliarden Anfragen pro Tag -- kommt obendrauf.
Die Kernfusion, seit Jahrzehnten "dreissig Jahre entfernt", rückt durch KI-gestützte Plasmasteuerung in Reichweite. Die Rechenleistung für die Simulation von Fusionsplasma, die noch 2010 Jahrzehnte erfordern würde, ist durch KI auf Monate gesunken.
Schlüsselakteure:
Prognose: Die Wahrscheinlichkeit, dass Kernfusion bis 2050 kommerziell nutzbar wird, liegt bei über 70 Prozent. Wenn die Fusion kommt, ist Energieknappheit eine Erinnerung, kein Problem mehr.
Parallel zur Fusion verbessert KI die Effizienz bestehender Solar- und Windanlagen dramatisch:
Szenario: Statt die CO2-Problematik ausschliesslich durch Verbrauchsreduktion zu lösen, wird KI-gesteuerter direkter Kohlenstoffentzug aus der Atmosphäre (Direct Air Capture) wirtschaftlich machbar [5]. KI-gesteuerte Landwirtschaft -- Schwärme kleiner Roboter, die Felder Pflanze für Pflanze abgehen -- eliminiert Pestizide und Herbizide. Was heute Bio-Luxus ist, wird zur Standardversorgung.
Die Schweiz gewinnt rund 60 Prozent ihres Stroms aus Wasserkraft und hat sich 2017 per Volksabstimmung gegen neue Kernkraftwerke entschieden. Für ein Land, das KI-Standort sein will, ist das eine unbequeme Wahrheit: Wer keine Energie hat, wird zum Zuschauer einer Revolution, die anderswo stattfindet.
Microsoft hat angekündigt, stillgelegte Kernkraftwerke wieder ans Netz zu bringen. Google und Amazon investieren in kleine modulare Reaktoren [6]. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer die Zukunft der KI kontrollieren will, muss zuerst die Energiefrage lösen.
Die grösste politische Erzählung der 2020er -- Klimanotstand und Wirtschaftseinschränkungen -- wird durch technologischen Fortschritt überholt. Das ist politisch explosiv, aber historisch konsistent: Technologie hat Knappheitsprobleme immer zuverlässiger gelöst als Verzichtsappelle.
[1] Internationale Energieagentur IEA: Electricity Mid-Year Update 2025. Paris, 2025.
[2] S&P Global: Data Center Power Demand. 2025.
[3] ITER Organization: ITER -- the way to new energy. iter.org, 2025.
[4] Helion Energy: Firmenportrait und Investoren. helionenergy.com, 2024.
[5] Climeworks AG: Direct Air Capture Technology. Zürich (Schweizer Unternehmen, weltweit führend).
[6] Microsoft: Ankündigung zur Reaktivierung von Three Mile Island. September 2024.