Prognose: Bis 2050 werden die ersten kommerziellen Rechenzentren ausserhalb der Erdatmosphäre betrieben -- im Erdorbit und auf dem Mond.
Die KI braucht Energie. Die Erde hat nicht genug davon. Rechenzentren verbrauchen 2024 bereits 415 Terawattstunden Strom pro Jahr -- Tendenz: Verdopplung bis 2030 [1]. Irgendwann stösst die Erde an Grenzen: nicht an physikalische, sondern an politische. Genehmigungsverfahren für Kraftwerke dauern Jahrzehnte. Stromnetze sind überlastet. Anwohner protestieren.
Der Weltraum löst drei Probleme gleichzeitig.
Eine Solarzelle im Weltraum erzeugt rund fünfmal mehr Strom pro Quadratmeter als dieselbe Zelle auf der Erdoberfläche [2]. Der Grund: Die Erdatmosphäre absorbiert und reflektiert 55 bis 60 Prozent der Sonnenstrahlung -- durch Wolken, Staub, Wasserdampf und Gase. Im Vakuum trifft die volle Strahlungsintensität von 1'361 Watt pro Quadratmeter ohne Dämpfung auf die Zelle.

| Standort | Sonnenstunden/Jahr | Effizienz |
|---|---|---|
| Erdoberfläche (Schweiz) | ~1'500 h | Basis |
| geostationärer Orbit | ~8'700 h (99%) | 5x |
| Mond-Südpol (Kraterränder) | ~8'500 h | ~5x |
Im Orbit gibt es keine Nacht. Auf den Kraterrändern der Mondpole herrscht nahezu permanentes Sonnenlicht. Keine Wolken, kein Regen, kein Winter.
Die grösste technische Herausforderung moderner Rechenzentren ist nicht die Berechnung -- es ist die Abwärme. Auf der Erde verschlingen Kühlsysteme bis zu 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs eines Rechenzentrums.
Im Weltraum herrschen auf der sonnenabgewandten Seite Temperaturen von minus 270 Grad Celsius -- nahe dem absoluten Nullpunkt. Auf der Nachtseite des Mondes fallen die Temperaturen auf minus 200 Grad. Wärmeableitung durch Infrarotstrahlung ins All, ohne Klimaanlagen, ohne Wasser, ohne Energieaufwand [3].
Die Chips werden kühler betrieben als in jedem irdischen Rechenzentrum -- was ihre Lebensdauer verlängert und ihre Leistung steigert.
Auf der Erde konkurrieren Rechenzentren mit Wohnraum, Landwirtschaft und Naturschutz um Fläche. Auf dem Mond gibt es 38 Millionen Quadratkilometer Oberfläche -- und keinen einzigen Anwohner, der Einspruch erhebt.
Die Technologie existiert in Ansätzen:
Szenario: Autonome Rechenzentren auf dem Mond, errichtet von Robotern, die das Mondgestein (Regolith) zu Baumaterial verarbeiten. Solarpaneele auf den sonnenbeschienenen Kraterrändern der Südpolregion liefern ununterbrochen Strom. Die Server stehen in natürlichen Lavahöhlen, geschützt vor kosmischer Strahlung und Mikrometeoriten. Wartung und Ausbau übernehmen Roboter, gesteuert von der KI selbst. Die Anlage ist autark.
SpaceX hat die Startkosten pro Kilogramm von 54'000 USD (Space Shuttle) auf unter 1'500 USD (Starship) gesenkt [6]. Diese Kostensenkung um den Faktor 36 macht die Vision ökonomisch denkbar.
| System | Kosten pro kg in den Orbit |
|---|---|
| Space Shuttle | 54'000 USD |
| Falcon 9 | 2'700 USD |
| Starship (Ziel) | <1'500 USD |
Wer die KI der Zukunft betreiben will, wird nicht nur in Chips und Algorithmen investieren müssen -- sondern in Raketen, Solarpaneele und Mondinfrastruktur. Die Raumfahrtindustrie und die KI-Industrie werden verschmelzen.
Prognose: Die Schweiz, mit ihrer Tradition in Präzisionstechnologie und ihrer neutralen Rechtsordnung, könnte einen Platz in dieser neuen Wertschöpfungskette finden -- vielleicht als Treuhänder für extraterrestrische Daten, so wie sie es für irdische Vermögen seit Jahrhunderten ist.
[1] Internationale Energieagentur IEA: Electricity Mid-Year Update 2025. Paris, 2025.
[2] NASA: Space-Based Solar Power. nasa.gov (Technologie-Briefing, verschiedene Jahre).
[3] Heiken, Grant et al.: Lunar Sourcebook: A User's Guide to the Moon. Cambridge University Press, 1991.
[4] Lonestar Data Holdings: First Lunar Data Storage Demonstration. Pressemitteilung, 2024.
[5] NASA: Laser Communications Relay Demonstration (LCRD). nasa.gov, 2023.
[6] SpaceX: Starship -- Making Life Multiplanetary. spacex.com, 2024.