Während die Maschinen klüger werden, werden die Menschen weniger. Die Demografie zeigt es mit der Unerbittlichkeit einer mathematischen Gleichung: Mit zunehmendem Wohlstand sinkt die Geburtenrate. Überall. Ausnahmslos. [1]

| Land | Fertilitätsrate (2023/24) |
|---|---|
| Nigeria | 5,10 |
| Indien | 2,00 |
| Frankreich | 1,68 |
| USA | 1,62 |
| Schweiz | 1,39 |
| Deutschland | 1,35 |
| Japan | 1,20 |
| China | 1,00 |
| Südkorea | 0,72 |
Um die Bevölkerung stabil zu halten, brauchte jedes Land eine Rate von 2,1. Kein einziges Industrieland erreicht diesen Wert. Nicht eines. [1]
Seoul allein kommt auf 0,64 -- der niedrigste je in einer Grossstadt gemessene Wert. China, das offiziell 1,4 Milliarden Einwohner zählt, schrumpft seit 2022, Jahr für Jahr um Millionen.
Das BFS hat im April 2025 seine neunte Serie der Bevölkerungsszenarien veröffentlicht. [2]
| Szenario | Bevölkerung 2055 | Trend |
|---|---|---|
| Hohes Szenario | 11,7 Mio. | Wachstum |
| Referenzszenario | 10,5 Mio. | Verlangsamtes Wachstum |
| Tiefes Szenario | 9,3 Mio. | Schrumpfung ab 2041 |
Das klingt nach Wachstum. Aber dieses Wachstum wird fast ausschliesslich durch Migration getrieben. Schon bald werden in der Schweiz jährlich mehr Menschen sterben als geboren werden. Im tiefen Szenario erreicht die Bevölkerung um 2043 ihren Höchststand und beginnt danach zu schrumpfen.
In beiden Szenarien altert die Gesellschaft dramatisch: Die Zahl der über 64-jährigen wird sich verdoppeln, während die Erwerbsfähige Bevölkerung stagniert oder schrumpft. [2]
Hans Rosling prägte den Begriff "Peak Child". Die maximale Zahl an Kindern auf der Erde ist bereits erreicht. Die UNO schätzt, dass der Höchststand der unter fünfjährigen 2017 überschritten wurde. [3]
Die Weltbevölkerung wächst noch, weil die bereits Geborenen länger leben. Aber die Basis schrumpft. Irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts wird die Weltbevölkerung zu sinken beginnen.
Hier trifft die Demografie auf die KI-Revolution -- und die Kombination ist explosiv.
Schere 1: Weniger Beitragszahler, mehr Rentner. Die Baby-Boomer gehen in Rente. Der Anteil der 20- bis 64-jährigen sinkt von 65 Prozent (2024) auf 55 Prozent (2050). [2] Weniger Beitragszahler finanzieren mehr Rentner.
Schere 2: KI erodiert die verbleibende Beitragsbasis. Gleichzeitig verdrängt die KI bis zu 2 Millionen Stellen. Die verbleibenden Erwerbstätigen -- ohnehin weniger durch die Demografie -- verlieren zusätzlich Arbeitsplätze an Algorithmen.
Zwei Scheren, die sich gleichzeitig öffnen. Das Resultat: Die AHV, gebaut auf dem Prinzip "Junge zahlen für Alte", verliert von beiden Seiten ihre Basis.
Die AHV wurde 1948 geschaffen für eine Welt, in der Menschen vierzig Jahre lang erwerbstätig waren und dann fünfzehn Jahre Rente bezogen. Dieses Modell setzt voraus, dass jede Generation mehr Beitragszahler hervorbringt als die vorherige -- oder zumindest gleich viele. [4]
Beides ist nicht mehr der Fall:
Die AHV-Reform 2024 hat ein Symptom behandelt, nicht die Ursache. Die eigentliche Zeitbombe ist die Entkopplung von Produktivität und Erwerbsarbeit.
In den Entwicklungsländern wird die KI die demografische Transition beschleunigen. Bildung, Karrierechancen für Frauen, wirtschaftliche Teilhabe -- alles senkt die Fertilitätsrate. KI macht diese Prozesse zugänglich, ohne die Jahrzehnte, die der Westen dafür brauchte. [5]
Das sogenannte "Peak Human" -- der Moment, an dem die Weltbevölkerung ihren Höchststand erreicht -- wird zwischen 2060 und 2080 eintreten, möglicherweise früher als die UN-Projektionen vermuten lassen.
Eine schrumpfende Menschheit produziert weniger -- und braucht weniger. Das klassische Wachstumsparadigma der Ökonomie bricht zusammen. Rentensysteme, gebaut auf wachsenden Generationen, müssen neu konzipiert werden.
Die Lösung kann nicht Einwanderung allein sein -- denn die Herkunftsländer schrumpfen ebenfalls. Die Lösung muss die Finanzierungsbasis von der Erwerbsarbeit auf die Wertschöpfung verlagern: Nicht der Lohn wird besteuert, sondern die Produktivität -- egal ob ein Mensch oder eine Maschine sie erbringt.

[1] United Nations, Department of Economic and Social Affairs: World Population Prospects 2024. Revision. Fertilitätsdaten weltweit.
[2] Bundesamt für Statistik BFS: Bevölkerungsszenarien 2025--2055, 9. Serie. Neuenburg, April 2025.
[3] Rosling, Hans; Rosling, Ola; Rönnlund, Anna Rosling: Factfulness. Sceptre, 2018. Konzept "Peak Child".