Stand: Januar 2026. Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.
Im Januar 2026 verbessern sich KI-Systeme schneller, als Menschen ihnen folgen können. Grosse Sprachmodelle bestehen Anwaltsprüfungen, diagnostizieren Krankheiten und schreiben produktionsreifen Code. Die Schwelle zur Selbstoptimierung ist überschritten.
Zwischen Anfang 2025 und Januar 2026 hat sich die KI-Landschaft grundlegend verschoben:
Der gemeinsame Nenner: KI schreibt Code, mit dem sie bessere KI baut. Sie testet sich selbst, korrigiert ihre eigenen Fehler, optimiert ihre eigene Architektur.
Im Januar 2020 veröffentlichten Jared Kaplan und Kollegen bei OpenAI eine Erkenntnis, die zur zentralen Doktrin der KI-Industrie wurde: Die Leistung neuronaler Sprachmodelle verbessert sich vorhersagbar als Potenzgesetz, wenn man drei Faktoren erhöht -- Parameter, Trainingsdaten und Rechenleistung [4].

Keine neuen Algorithmen nötig. Einfach: grösser.
| Modell | Jahr | Parameter |
|---|---|---|
| GPT-1 | 2018 | 117 Millionen |
| GPT-2 | 2019 | 1,5 Milliarden |
| GPT-3 | 2020 | 175 Milliarden |
| GPT-4 | 2023 | ~1,8 Billionen (geschätzt) |
| Claude 3 Opus | 2024 | nicht offengelegt |
| Gemini Ultra | 2024 | nicht offengelegt |
Die Parameterzahl verzehnfacht sich etwa alle 18 Monate [1] [3].
Der Mathematiker Vernor Vinge prägte 1993 den Begriff der technologischen Singularität -- jenen hypothetischen Punkt, an dem KI-Systeme sich schneller verbessern, als Menschen es verfolgen können [5]. Ray Kurzweil schätzte den Zeitpunkt auf 2045 [6]. Er lag zwanzig Jahre daneben -- in die falsche Richtung.
Was Anfang 2026 eintrat, war keine Science-Fiction-Singularität. Es war eine praktische Singularität: Die KI überholte den Menschen dort, wo es zählt -- bei der Arbeit.
Ein Beispiel: Anthropics Claude analysiert eine Codebasis von einer Million Zeilen, identifiziert einen subtilen Fehler in der Nebenläufigkeitslogik und liefert eine korrekte, getestete Lösung. In Minuten. Ein menschlicher Experte bräuchte Tage [2].
Die KI-Entwicklung ist kein linearer Fortschritt mehr. Sie ist ein sich selbst beschleunigender Prozess. Jede neue Modellgeneration trägt zur Entwicklung der nächsten bei. Der Mensch bleibt beteiligt -- aber seine Rolle hat sich verschoben: vom Schöpfer zum Aufseher.
Für die Schweiz -- mit ihrer Spitzenforschung an ETH, EPFL und IDSIA -- ist das gleichzeitig eine enorme Chance und eine existenzielle Herausforderung.

Die Grafik zeigt 20 Berufsgruppen, geordnet nach ihrem Automatisierungsrisiko. Rot: Kognitive Routine (ab ~2025), Orange: Analytische Berufe (ab ~2030), Grün: Kreative und physische Berufe (ab ~2040). Quellen: McKinsey Global Institute; Frey/Osborne, Oxford Martin School; KOF ETH Zürich.
[1] OpenAI: GPT-4 Technical Report. arxiv.org, März 2023.
[2] Anthropic: Claude 3 Technical Report. anthropic.com, März 2024.
[3] Google DeepMind: Gemini -- A Family of Highly Capable Multimodal Models. Dezember 2023.
[4] Kaplan, Jared et al.: Scaling Laws for Neural Language Models. OpenAI, Januar 2020.
[5] Vinge, Vernor: The Coming Technological Singularity. VISION-21 Symposium, NASA, 1993.
[6] Kurzweil, Ray: The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology. Viking, 2005.