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Status Quo -- KI am 1. Januar 2026

Stand: Januar 2026. Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen.


Politische Entscheide: Stand 6. September 2026

Neue politische Entscheide geprüft am 6. September 2026; ältere Grundlagen behalten ihren angegebenen Stand.

29.06.2026 — Der Rat der EU gab die Änderung der KI-Regeln endgültig frei. Die Mitteilung nennt verschobene Hochrisiko-Anwendungstermine: 2. Dezember 2027 für eigenständige Systeme und 2. August 2028 für produktintegrierte Systeme. Diese Fristen gelten nicht pauschal für sämtliche KI-Pflichten; massgeblich bleibt der veröffentlichte Rechtstext. Originalquelle.

04.09.2026 — Die Verwaltungsdelegation genehmigte den rund einjährigen PIA-Pilotbetrieb ab Herbstsession, mit maximal 150’000 Franken aus dem bestehenden IT-Budget. Swisscom betreibt die KI-Assistenz in der Schweiz mit Open-Weight-Modellen; Eingaben dienen nicht dem Modelltraining. Aktuelle Internetrecherche ist damit laut Mitteilung noch nicht möglich. Originalquelle.

06.09.2026 — Prüfstand: Die Schweiz bereitet die Umsetzung der KI-Konvention des Europarats vor. Der Bundesrat beauftragte eine Vernehmlassungsvorlage bis Ende 2026; die Absicht zur Ratifikation ist keine bereits abgeschlossene Ratifikation. Originalquelle.

Die Lage in drei Sätzen

Im Januar 2026 verbessern sich KI-Systeme schneller, als Menschen ihnen folgen können. Grosse Sprachmodelle bestehen Anwaltsprüfungen, diagnostizieren Krankheiten und schreiben produktionsreifen Code. Die Schwelle zur Selbstoptimierung ist überschritten.


Was in zwölf Monaten geschah

Zwischen Anfang 2025 und Januar 2026 hat sich die KI-Landschaft grundlegend verschoben:

  • OpenAI betreibt interne Forschungsteams, in denen KI-Agenten autonom Code reviewen, Architekturen vorschlagen und Benchmarks auswerten [1].
  • Anthropic demonstriert, dass Claude eigenständig wissenschaftliche Papers liest, Hypothesen aufstellt und Experimente entwirft [2].
  • Google DeepMind meldet, dass Gemini an der Entwicklung seiner eigenen Nachfolgeversion mitgewirkt hat -- messbar, nicht als Marketingaussage [3].

Der gemeinsame Nenner: KI schreibt Code, mit dem sie bessere KI baut. Sie testet sich selbst, korrigiert ihre eigenen Fehler, optimiert ihre eigene Architektur.


Skalierungsgesetze -- Grösser heisst besser

Im Januar 2020 veröffentlichten Jared Kaplan und Kollegen bei OpenAI eine Erkenntnis, die zur zentralen Doktrin der KI-Industrie wurde: Die Leistung neuronaler Sprachmodelle verbessert sich vorhersagbar als Potenzgesetz, wenn man drei Faktoren erhöht -- Parameter, Trainingsdaten und Rechenleistung [4].

Die Skalierungskurve -- Parameter grosser Sprachmodelle 2018-2025

Keine neuen Algorithmen nötig. Einfach: grösser.

Modell Jahr Parameter
GPT-1 2018 117 Millionen
GPT-2 2019 1,5 Milliarden
GPT-3 2020 175 Milliarden
GPT-4 2023 ~1,8 Billionen (geschätzt)
Claude 3 Opus 2024 nicht offengelegt
Gemini Ultra 2024 nicht offengelegt

Die Parameterzahl verzehnfacht sich etwa alle 18 Monate [1] [3].


Die praktische Singularität

Der Mathematiker Vernor Vinge prägte 1993 den Begriff der technologischen Singularität -- jenen hypothetischen Punkt, an dem KI-Systeme sich schneller verbessern, als Menschen es verfolgen können [5]. Ray Kurzweil schätzte den Zeitpunkt auf 2045 [6]. Er lag zwanzig Jahre daneben -- in die falsche Richtung.

Was Anfang 2026 eintrat, war keine Science-Fiction-Singularität. Es war eine praktische Singularität: Die KI überholte den Menschen dort, wo es zählt -- bei der Arbeit.

Ein Beispiel: Anthropics Claude analysiert eine Codebasis von einer Million Zeilen, identifiziert einen subtilen Fehler in der Nebenläufigkeitslogik und liefert eine korrekte, getestete Lösung. In Minuten. Ein menschlicher Experte bräuchte Tage [2].


Was das bedeutet

Die KI-Entwicklung ist kein linearer Fortschritt mehr. Sie ist ein sich selbst beschleunigender Prozess. Jede neue Modellgeneration trägt zur Entwicklung der nächsten bei. Der Mensch bleibt beteiligt -- aber seine Rolle hat sich verschoben: vom Schöpfer zum Aufseher.

Für die Schweiz -- mit ihrer Spitzenforschung an ETH, EPFL und IDSIA -- ist das gleichzeitig eine enorme Chance und eine existenzielle Herausforderung.


Welche Berufe wann betroffen sind -- Automatisierungsrisiko durch KI

Die Grafik zeigt 20 Berufsgruppen, geordnet nach ihrem Automatisierungsrisiko. Rot: Kognitive Routine (ab ~2025), Orange: Analytische Berufe (ab ~2030), Grün: Kreative und physische Berufe (ab ~2040). Quellen: McKinsey Global Institute; Frey/Osborne, Oxford Martin School; KOF ETH Zürich.

Literaturverzeichnis

[1] OpenAI: GPT-4 Technical Report. arxiv.org, März 2023.

[2] Anthropic: Claude 3 Technical Report. anthropic.com, März 2024.

[3] Google DeepMind: Gemini -- A Family of Highly Capable Multimodal Models. Dezember 2023.

[4] Kaplan, Jared et al.: Scaling Laws for Neural Language Models. OpenAI, Januar 2020.

[5] Vinge, Vernor: The Coming Technological Singularity. VISION-21 Symposium, NASA, 1993.

[6] Kurzweil, Ray: The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology. Viking, 2005.