Stand: Januar 2026. Schweizer KI-Landschaft im internationalen Kontext.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) führt einen AI-Preparedness-Index, der misst, wie gut Länder auf die KI-Revolution vorbereitet sind. Die Schweiz steht auf Rang 3 von 186 Ländern -- hinter Singapur und Dänemark, vor den USA [1].
Das Ranking bewertet digitale Infrastruktur, Humankapital, Innovationsfähigkeit und regulatorische Rahmenbedingungen. Die Schweiz punktet in allen Kategorien -- doch der Index misst Bereitschaft, nicht Umsetzung.
Die ETH Zürich belegt in europäischen Rankings für KI-Forschung und KI-Patente regelmässig den ersten Platz. Im Oktober 2020 wurde das ETH AI Center in Zürich-Oerlikon eröffnet -- ein Zusammenschluss von über 100 Professuren und mehr als 1'500 Forschenden aus zehn Forschungsgebieten [2].
Das AI Center ist eines der grössten KI-Hubs weltweit und verbindet Grundlagenforschung mit angewandter KI in Medizin, Robotik, Klimawissenschaften und Materialforschung.
Die Ecole polytechnique federale de Lausanne (EPFL) betreibt das Centre for Intelligent Systems und zählt zu den weltweit führenden Hochschulen in maschinellem Lernen und Computational Neuroscience. Die EPFL ergänzt die ETH als zweiter Pfeiler der öffentlichen KI-Forschung [3].
Das Istituto Dalle Molle di Studi sull'Intelligenza Artificiale (IDSIA) in Lugano, gegründet 1988, hat mit der Erfindung der Long Short-Term Memory (LSTM) Netzwerke eine der einflussreichsten KI-Architekturen des 20. Jahrhunderts hervorgebracht [4].
Jürgen Schmidhuber und Sepp Hochreiter veröffentlichten LSTM 1997. Bis Mitte der 2010er-Jahre liefen LSTMs auf über drei Milliarden Geräten weltweit -- in Apples Siri, in Google Translate, in Amazons Alexa [4]. Schweizer Grundlagenforschung, die die Welt veränderte, fast ohne dass die Welt es bemerkte.
Die Schweizerische KI-Initiative vereint über 70 Professoren aus Schweizer Hochschulen und nutzt den Supercomputer Alps -- einen der leistungsfähigsten Forschungsrechner der Welt --, um branchenspezifische KI-Modelle zu entwickeln [2].
Google eröffnete 2004 sein erstes Büro ausserhalb der USA in Zürich -- mit zwei Mitarbeitern. Bis 2025 war der Standort auf rund 5'000 Mitarbeitende aus 85 Nationen angewachsen -- das grösste Entwicklungszentrum des Konzerns ausserhalb der Vereinigten Staaten [5].
Die "Zooglers" arbeiten an Google Search, YouTube, Google Cloud und Google Translate. Seit 2016 beherbergt der Standort eine eigene Forschungsgruppe für maschinelles Lernen mit Fokus auf natürliche Spracherkennung und Sprachverarbeitung [5].
Google hat Zürich nicht zufällig gewählt. Die Dichte an KI-Talent pro Quadratkilometer ist in der Schweiz höher als fast überall sonst auf der Welt.
| Institution | Ort | Schwerpunkt | Seit |
|---|---|---|---|
| ETH AI Center | Zürich | Interdisziplinäre KI-Forschung | 2020 |
| EPFL CIS | Lausanne | Intelligent Systems, ML | -- |
| IDSIA | Lugano | Deep Learning, LSTM, Robotik | 1988 |
| Google Zurich | Zürich | Search, NLP, Cloud AI | 2004 |
| IDIAP | Martigny | Spracherkennung, ML | 1991 |
| CSCS (Alps) | Lugano | Supercomputing für KI | 1991 |
| Disney Research | Zürich | Computer Vision, Graphics | 2008 |
Für ein Land mit 8,9 Millionen Einwohnern ist diese Dichte an KI-Forschungsinstitutionen bemerkenswert.
Stärken:
Schwächen:
Wer KI-Standort sein will, braucht Strom -- viel Strom. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt den globalen Stromverbrauch von Rechenzentren 2024 auf 415 Terawattstunden. Bis 2030 soll sich dieser Wert auf über 945 TWh mehr als verdoppeln [7].
Die Schweiz verbraucht insgesamt rund 58 TWh pro Jahr [8]. Ein Land, das KI-Standort sein will, aber keine Energie dafür hat, wird zum Zuschauer einer Revolution, die anderswo stattfindet.
[1] IWF: AI Preparedness Index. Internationaler Währungsfonds, 2024.
[2] ETH Zürich: ETH AI Center -- Über uns. ai.ethz.ch, 2024.
[3] EPFL: Centre for Intelligent Systems. epfl.ch, 2024.
[4] Schmidhuber, Jürgen / Hochreiter, Sepp: Long Short-Term Memory. In: Neural Computation 9(8), 1997.
[5] Google Switzerland: Über Google Zürich. about.google/intl/de_ch, 2024.
[6] Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK): Energiestrategie 2050 -- Volksabstimmung 21. Mai 2017.
[7] Internationale Energieagentur (IEA): Electricity Mid-Year Update 2025. iea.org, 2025.
[8] Bundesamt für Statistik (BFS): Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2024.