Stato: marzo 2026.
Jamming (Störung) und Spoofing (Täuschung) sind die beiden zentralen Soft-Kill-Methoden der elektronischen Drohnenabwehr. Während Jamming die Kommunikations- und Navigationsverbindungen einer Drohne unterbricht, speist Spoofing manipulierte Signale ein, um die Drohne gezielt umzuleiten oder zur Landung zu zwingen.
RF-Jamming zielt auf die Funkverbindung zwischen Drohne und Bediener. Das Störsignal überlagert die legitime Kommunikation und unterbricht die Steuerung.
Ein Jammer sendet auf den gleichen Frequenzbändern wie die Drohnensteuerung (typisch: 2.4 GHz, 5.8 GHz, 900 MHz) ein starkes Rauschsignal oder ein spezifisches Störsignal aus. Die Drohne verliert die Verbindung zum Bediener und aktiviert — je nach Programmierung — einen der folgenden Fail-Safe-Modi:
GNSS-Jamming stört die Satellitennavigationssignale (GPS, GLONASS, Galileo, BeiDou), auf die die meisten Drohnen für ihre Positionsbestimmung angewiesen sind.
Da GNSS-Signale aus 20 200 km Höhe extrem schwach am Boden ankommen (ca. -130 dBm), lassen sie sich bereits mit geringer Sendeleistung effektiv stören. Ein handelsüblicher GPS-Jammer mit wenigen Watt kann die Navigation in einem Radius von mehreren Kilometern beeinträchtigen.
Wirkung: Die Drohne verliert ihre Positionsinformation und kann vorprogrammierte Wegpunkte nicht mehr anfliegen. Je nach Fail-Safe-Konfiguration schwebt sie, kehrt um oder stürzt ab.
Limitation: Drohnen mit inertialer Navigationsstützung (INS) können GNSS-Ausfälle überbrücken — allerdings driftet die Position mit zunehmender Dauer.
Beim Spoofing empfängt die Drohne manipulierte Navigationssignale, die sie für authentische GNSS-Daten hält. Der Angreifer erzeugt synthetische Satellitensignale mit falschen Koordinaten.
Aselsan BUKALEMUN ist ein GNSS-Spoofing-System der türkischen Streitkräfte, das als Pioniersystem im Bereich der Navigationstäuschung gilt. Das System kann die aktuelle Position einer Zieldrohne verfälschen und auf dem Kontrollbildschirm des Bedieners eine gewünschte Position und Route anzeigen. Damit lassen sich Drohnen gezielt in Landezonen umleiten oder über feindlichem Gebiet zur Landung zwingen.
Neben der Störung des elektromagnetischen Spektrums bieten Schwachstellen in der Software und den Kommunikationsprotokollen von Drohnen weitere Angriffsvektoren:
Die Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg zeigen eine deutliche Verschiebung der Bedrohungslage:
Seit 2024 setzen sowohl die Ukraine als auch Russland zunehmend glasfasergesteuerte FPV-Drohnen ein. Die Steuerungssignale werden über eine haardünne Glasfaser übertragen, die sich während des Fluges von einer Spule abwickelt. Da die Kommunikation physisch und nicht über Funk erfolgt, ist die Drohne vollständig immun gegen RF-Jamming und GNSS-Spoofing.
Bis Sommer 2025 machten glasfasergesteuerte Drohnen rund 10 % der gesamten FPV-Produktion beider Seiten aus — die Ukraine produzierte mindestens 20 000 solcher Drohnen pro Monat, Russland rund 50 000.
Neuronale Netzwerke für optische Navigation erlauben es Drohnen, ihr Ziel allein anhand visueller Landmarken zu finden — ganz ohne GPS oder Funkverbindung. In der Ukraine begannen entsprechende Feldtests im Dezember 2024. Gegen solche Systeme ist rein elektronische Kriegführung wirkungslos.
Moderne Drohnen nutzen Frequenzsprungverfahren (Frequency Hopping Spread Spectrum, FHSS) und Direct Sequence Spread Spectrum (DSSS), die breitbandiges Jamming erschweren. Die Störleistung muss über ein breites Spektrum verteilt werden, was die effektive Reichweite reduziert.
| Methode | Effektiv gegen | Unwirksam gegen |
|---|---|---|
| RF-Jamming | Kommerzielle Drohnen, einfache FPV | Glasfaser-FPV, autonome Drohnen |
| GNSS-Jamming | GPS-abhängige Drohnen, Loitering Munition | INS-gestützte Systeme, autonome Navigation |
| GNSS-Spoofing | Drohnen ohne Spoofing-Detektion | Militärdrohnen mit M-Code, INS-Fusion |
| Cyber-Angriffe | Kommerzielle Drohnen mit bekannten Protokollen | Proprietäre militärische Systeme |
Jamming und Spoofing bleiben gegen die Masse kommerzieller und einfacher militärischer Drohnen wirksam. Gegen die wachsende Zahl autonomer und glasfasergesteuerter Systeme müssen sie jedoch durch kinetische und Directed-Energy-Effektoren ergänzt werden.
Fonti:
[1] IEEE Spectrum — Ukraine's Autonomous Killer Drones Defeat Electronic Warfare
[2] Aselsan — Anti-Drone Systems at SAHA EXPO 2024
[3] DRONELIFE — Fiber-optic Drones in Warfare
[4] IEEE Spectrum — How Autonomous Drone Warfare Is Emerging in Ukraine
[5] Inside Unmanned Systems — 2025 Proved the Case for Drone Defense
[6] Army Recognition — Aselsan Expands Its Anti-Drone Solutions with BUKALEMUN at SAHA EXPO