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Bewertungsmodell armasuisse: Kritische Analyse

Zusammenfassung

Das Bundesamt für Rüstung (armasuisse) verwendete für die Typenevaluation im Rahmen des Programms Air2030 erstmals die AHP-Methode (Analytic Hierarchy Process) mit 79 Einzelkriterien in vier Hauptkategorien. Die F-35A erzielte 336 Punkte mit einem Vorsprung von mindestens 95 Punkten auf den Zweitplatzierten. [1]

Diese Seite analysiert die Evaluationsmethodik, erklärt die Funktionsweise der AHP-Methode, vergleicht sie mit gängigen Bewertungsverfahren der Rüstungsindustrie und dokumentiert die parlamentarische sowie fachliche Kritik am Bewertungsmodell.


1. Das armasuisse-Bewertungsmodell im Detail

1.1 Überblick: Zweiphasiges Evaluationsverfahren

armasuisse führte die Evaluation in zwei getrennten Phasen durch -- ein sogenanntes Zwei-Umschlag-Verfahren: Die technischen Spezialisten hatten keinen Einblick in die Kosten und umgekehrt. Damit sollte eine unvoreingenommene Bewertung sichergestellt werden. [2]

Phase 1: Technische Evaluation (2019-2020)

  • Flugtests aller vier Kandidaten auf dem Militärflugplatz Payerne (April-Juni 2019)
  • Ground-Tests und Simulationen
  • Technische Datenerhebung zu allen 79 Bewertungskriterien

Phase 2: Kommerzielle Evaluation (2020-2021)

  • Erste Offertanfrage (2018)
  • Zweite Offertanfrage (Januar 2020) mit präzisierten Anforderungen [3]
  • Kostenangebote und Berechnung der Lebenszykluskosten über 30 Jahre

1.2 Die vier Bewertungskriterien mit Gewichtung

armasuisse bewertete die Kandidaten anhand von vier Hauptkriterien mit fester Gewichtung: [2]

Kriterium Gewichtung Beschreibung
Wirksamkeit 55% Operationelle Wirksamkeit, Einsatzautonomie, Überlebensfähigkeit
Produktsupport 25% Wartungsfreundlichkeit, Supportautonomie, Ersatzteilversorgung
Kooperation 10% Zusammenarbeit mit Streitkräften und Beschaffungsbehörden des Herstellerlandes
Direkte Offsets 10% Kompensationsgeschäfte für die Schweizer Industrie

Dem so ermittelten Gesamtnutzen wurden die Beschaffungs- und Betriebskosten über 30 Jahre gegenübergestellt (Kosten-Nutzen-Analyse). [2]

1.3 Ergebnis der Evaluation

Die F-35A erzielte mit 336 Punkten das beste Gesamtergebnis. Der Abstand zum Zweitplatzierten betrug mindestens 95 Punkte. Bemerkenswert: Die F-35A gewann nicht nur bei der Wirksamkeit, sondern auch bei Produktsupport und Kooperation. [1]


2. Die AHP-Methode: Funktionsweise und wissenschaftliche Einordnung

2.1 Grundprinzip des Analytic Hierarchy Process

Die AHP-Methode wurde in den 1970er Jahren von Thomas L. Saaty an der University of Pittsburgh entwickelt und erstmals 1980 im Buch "The Analytic Hierarchy Process" publiziert. [4]

Grundidee: AHP zerlegt komplexe Entscheidungen in eine Hierarchie:

Ebene 0: ZIEL
         "Bestes Kampfflugzeug für die Schweiz"
              │
Ebene 1: HAUPTKRITERIEN
         Wirksamkeit (55%) | Produktsupport (25%) | Kooperation (10%) | Offset (10%)
              │
Ebene 2: SUBKRITERIEN
         79 Einzelkriterien bei armasuisse
              │
Ebene 3: ALTERNATIVEN
         F-35A | Rafale | Eurofighter | Super Hornet

2.2 Die Saaty-Skala (1-9)

Anders als bei einer klassischen Notenvergabe arbeitet AHP mit paarweisen Vergleichen auf der sogenannten Saaty-Skala: [4]

Wert Verbale Bedeutung Erklärung
1 Gleich wichtig Beide Elemente tragen gleichermassen zum Ziel bei
3 Etwas wichtiger Erfahrung und Urteil sprechen leicht für ein Element
5 Erheblich wichtiger Erfahrung und Urteil sprechen stark für ein Element
7 Sehr viel wichtiger Ein Element wird sehr stark bevorzugt
9 Absolut wichtiger Höchstmögliche Bevorzugung eines Elements
2,4,6,8 Zwischenwerte Kompromisse zwischen benachbarten Werten

2.3 Mathematischer Ablauf

  1. Paarvergleichsmatrix aufstellen: Für n Kriterien werden n(n-1)/2 Vergleiche benötigt
  2. Eigenvektor berechnen: Der Haupteigenvektor der Matrix liefert die Gewichte
  3. Konsistenzprüfung: Berechnung von Consistency Index (CI) und Consistency Ratio (CR)
    • CR = CI / RI (Random Index)
    • Akzeptanzkriterium: CR ≤ 0.10 (maximal 10% Inkonsistenz)
    • Bei CR > 0.10 müssen Paarvergleiche überarbeitet werden
  4. Aggregation: Lokale Prioritäten mit Gewichten multiplizieren ergibt globale Prioritäten

2.4 Der Kontrasteffekt -- kritisches AHP-Phänomen

Ein zentrales Problem der AHP-Methode ist der Kontrasteffekt: Kleine reale Unterschiede führen zu überproportional grossen Punktdifferenzen.

Thomas Ferber, ein AHP-Experte, warnte bereits 2021 vor diesem Effekt und verglich ihn mit einem "Kontrastregler in Photoshop". [5] Seine Einschätzung: Die herkömmliche Nutzwertanalyse sei "fairer, weil genauer und differenzierter".

Vertreter der unterlegenen Hersteller bezeichneten die AHP-Bewertung als "Blackbox". [5]

2.5 Die armasuisse "Transferfunktion"

armasuisse war sich des Kontrasteffekts bewusst und baute eine sogenannte "Transferfunktion" ein, um diesen zu dämpfen. [2] Die genaue Funktionsweise dieser Transferfunktion wurde jedoch nicht öffentlich dokumentiert -- ein Kritikpunkt, der die Nachvollziehbarkeit der Evaluation erschwert.


3. Vergleich mit gängigen Bewertungsverfahren

armasuisse verwendete mit der AHP-Methode ein in der internationalen Rüstungsbeschaffung unübliches Verfahren. Die folgende Tabelle vergleicht AHP mit etablierten Alternativen:

3.1 Klassische Nutzwertanalyse (NWA/MAUT)

Merkmal NWA/MAUT AHP
Bewertungsprinzip Direkte Punktvergabe (z.B. 1-10) Paarweise Vergleiche (1-9)
Gewichtung Vorab festgelegt Aus Paarvergleichen abgeleitet
Konsistenzprüfung Keine Ja (CR ≤ 0.10)
Transparenz Hoch (jeder kann nachrechnen) Mittel (Matrix-Operationen)
Kontrasteffekt Gering (lineare Skala) Hoch (nicht-linear)
Verbreitung Rüstung Standard in DACH, UK, Australien Selten

3.2 Weitere Verfahren im Überblick

PROMETHEE (Preference Ranking Organization Method for Enrichment Evaluation)

  • Entwickelt von Jean-Pierre Brans (1982)
  • Outranking-Verfahren mit Präferenzfunktionen
  • Vorteil: Berücksichtigt Unvergleichbarkeit
  • Verbreitung: Akademische Studien, selten kommerzielle Beschaffung

ELECTRE (ELimination Et Choix Traduisant la REalité)

  • Französische Outranking-Methode (Bernard Roy, 1960er)
  • Erlaubt Veto-Schwellen (K.O.-Kriterien)
  • Als "Blackbox" kritisiert
  • Verbreitung: Frankreich, EU-Projekte

Best Value Procurement (US DoD Standard)

  • Dominantes Verfahren bei US-Beschaffungen (FAR 15.101-1)
  • Trade-off zwischen technischer Güte und Preis
  • Hohe Ermessensspielräume
  • Verbreitung: US DoD, NATO-Beschaffungen

Total Cost of Ownership (TCO)

  • Fokus auf Lebenszykluskosten (30+ Jahre)
  • Bei armasuisse neben AHP-Nutzwert berücksichtigt
  • Hohe Prognoseunsicherheit

3.3 Vergleichstabelle

Kriterium AHP NWA/MAUT PROMETHEE ELECTRE Best Value
Transparenz Mittel Hoch Mittel Niedrig Niedrig
Konsistenzprüfung Ja Nein Indirekt Nein Nein
Kontrasteffekt Hoch Gering Mittel Gering N/A
Veto-Möglichkeit Nein Nein Nein Ja Informell
Komplexität Hoch Niedrig Hoch Sehr hoch Niedrig
Rüstungspraxis Selten Standard Selten Selten US DoD

3.4 Fazit Methodenvergleich

Die AHP-Methode ist wissenschaftlich fundiert und bietet mit der Konsistenzprüfung einen Vorteil gegenüber der klassischen NWA. Der Kontrasteffekt ist jedoch ein signifikantes Problem, das armasuisse durch eine nicht dokumentierte "Transferfunktion" zu lösen versuchte.

Die klassische Nutzwertanalyse wäre transparenter gewesen und hätte weniger Kritik provoziert. In der internationalen Rüstungspraxis ist AHP ein Exot -- Finnland, Belgien, Kanada und Deutschland verwendeten andere Verfahren.


4. Externe Plausibilisierung durch Homburger AG

4.1 Auftragserteilung und Kosten

Am 27. April 2021 beauftragte das VBS unter Bundesrätin Viola Amherd die Anwaltskanzlei Homburger AG mündlich mit der Plausibilisierung des Evaluationsergebnisses. Die Kosten für das Erstgutachten beliefen sich auf 550'000 CHF. [6]

Gesamtkosten der VBS-Mandate an Homburger (2021-2025): ca. 2,5 Mio. CHF für über 9 Mandate. [6]

4.2 Ergebnis und Haftungsausschluss

Homburger kam zum Schluss, die Rangfolge der Anbieter sei "plausibel". [7]

Allerdings enthielt das Gutachten einen weitreichenden Haftungsausschluss: Homburger schloss jede Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Ergebnisse aus. [6]

4.3 Was wurde NICHT geprüft?

Die GPK-N stellte fest, dass Homburger wesentliche Aspekte nicht geprüft hatte: [7]

  • Keine rechtliche Prüfung der Festpreis-Zusicherungen
  • Keine Validierung der FMS-Risikoverteilung
  • Keine unabhängige Prüfung der Lebenszykluskosten

Die Finanzprüfung wurde an Gut Corporate Finance delegiert. [6]

4.4 Nachprüfung der Plausibilisierung

Am 18. Juni 2021 wurde das Bundesamt für Justiz (BJ) beauftragt, das Homburger-Gutachten zu "plausibilisieren" -- eine Plausibilisierung der Plausibilisierung. [6]


5. Kritik am Bewertungsmodell

5.1 EFK-Kritikpunkte (Prüfbericht Nr. 21410)

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) veröffentlichte am 8. Juli 2022 den Prüfbericht Nr. 21410 zum Air2030-Risikomanagement mit folgenden zentralen Kritikpunkten: [8]

  • "Keine rechtliche Sicherheit für Festpreis" im Sinne einer Pauschale nach schweizerischer Rechtsprechung
  • Unsicherheit bei den Wartungskosten über die gesamte Lebensdauer
  • Das Homburger-Kurzgutachten wurde in Frage gestellt
  • Die Betriebskosten basieren auf Schätzungen, nicht auf verbindlichen Zusagen

5.2 GPK-N-Bericht (9. September 2022)

Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats (GPK-N) formulierte fünf Empfehlungen zum Beschaffungsprozess: [7]

  1. Der Bundesrat schränkte seinen Handlungsspielraum unnötig ein -- er konnte keine aussenpolitischen Aspekte in den Typenentscheid einbeziehen
  2. Die Weiterverarbeitung der Evaluationsergebnisse durch das VBS war "teilweise unzweckmässig"
  3. Die AHP-Methode wurde erstmalig bei einem bedeutenden Geschäft angewendet, was "gewisse Risiken" birgt
  4. Es ist nicht nachvollziehbar, warum armasuisse auf die Erfahrungen von F-35-Betreiberländern verzichtete
  5. Die Praxis der "closing meetings" soll überprüft werden

Reaktion des Bundesrats: Eine Empfehlung teilweise angenommen, eine abgelehnt, drei als "bereits erfüllt" betrachtet. [7]

5.3 Fachliche Kritik

Gewichtungsproblematik:

  • Die hohe Gewichtung von "Wirksamkeit" (55%) begünstigte möglicherweise das technologisch fortschrittlichste Angebot (F-35A mit Stealth-Technologie)
  • Souveränitätsrisiken (ITAR-Restriktionen, FMS-Abhängigkeit) waren im Kriterium "Kooperation" möglicherweise untergewichtet

Kostenvergleichbarkeit:

  • FMS-Kosten (Government-to-Government) und Direktkauf-Kosten (Rafale, Eurofighter) wurden möglicherweise nicht methodisch vergleichbar gemacht
  • FMS basiert auf Schätzungen, europäische Angebote enthielten Festpreise

5.4 Bias-Vorwürfe (Sekundärquellen)

Unterlegene Hersteller und kritische Medien erhoben folgende Vorwürfe: [9]

  • Inkonsistenzen "gegen Ende des Evaluationsprozesses"
  • Späte Änderung der Zahlungsbedingungen (Mai 2021) benachteiligte bestimmte Anbieter
  • "Closing meetings" mit Tagesordnungspunkt "Umgang mit den Daten" (Aktenvernichtungsvorwurf)

Diese Vorwürfe wurden von armasuisse zurückgewiesen. Eine abschliessende Beurteilung ist aufgrund der Geheimhaltung des Evaluationsberichts nicht möglich.


6. Internationaler Vergleich: Evaluationsmethoden

6.1 Finnland: HX-Challenge (2015-2021)

  • Methodik: Multi-Criteria Decision Analysis (MCDA) mit externer Prüfung durch VTT Technical Research Centre
  • Kandidaten: 5 (F-35A, Rafale, Eurofighter, Super Hornet, Gripen E)
  • Transparenz: Hoch -- umfassender Public Report publiziert
  • Parlamentarische Einbindung: Ja
  • Ergebnis: F-35A (Dezember 2021) [10]

6.2 Belgien: Fighter Capability Programme (2014-2018)

  • Methodik: Kosten-Effizienz-Modell (TCO-orientiert)
  • Kandidaten: Formal 2 (Eurofighter zog sich zurück)
  • Transparenz: Mittel
  • Externe Prüfung: Keine bekannt
  • Ergebnis: F-35A (Oktober 2018)

6.3 Kanada: Future Fighter Capability Project (2010-2023)

  • Methodik: Nach anfänglichem Sole-Source-Skandal offene Scored Evaluation mit Weighted Criteria
  • Kandidaten: 3 (F-35A, Gripen E, Super Hornet)
  • Transparenz: Hoch (nach Reform)
  • Externe Prüfung: Auditor General of Canada
  • Ergebnis: F-35A (März 2022) [11]

6.4 Deutschland: Tornado-Nachfolge (2022)

  • Methodik: Keine offene Evaluation -- politische Vorentscheidung
  • Begründung: NATO-Nuklearteilhabe erfordert US-Zertifizierung
  • Kandidaten: Faktisch nur F-35A
  • Ergebnis: F-35A (März 2022) [12]

6.5 Vergleichstabelle

Land Methodik Kandidaten Dauer Transparenz Externe Prüfung Ergebnis
Schweiz AHP (79 Kriterien) 4 2018-2021 Gering Homburger (Plausib.) F-35A
Finnland MCDA + ext. Review 5 2015-2021 Hoch VTT Research F-35A
Belgien TCO/Kosten-Effiz. 2* 2014-2018 Mittel Keine F-35A
Kanada Scored Evaluation 3 2010-2023 Hoch (nach Reform) Auditor General F-35A
Deutschland Keine (Sole-Source) 1 2022 N/A N/A F-35A

*Eurofighter zog Angebot zurück

6.6 Beobachtung

Bemerkenswert ist, dass alle F-35-Käuferländer trotz unterschiedlicher Evaluationsmethoden zum gleichen Ergebnis kamen. Dies kann als Bestätigung der technischen Überlegenheit der F-35A interpretiert werden -- oder als Hinweis darauf, dass die Evaluationen weniger ergebnisoffen waren als dargestellt.


7. Bewertung der methodischen Güte

7.1 Objektivität

Pro:

  • Technische Tests wurden von armasuisse-Experten durchgeführt
  • Zwei-Umschlag-Verfahren verhinderte Beeinflussung

Contra:

  • Keine unabhängige externe Prüfung des Bewertungsmodells selbst
  • Gewichtung der Kriterien wurde intern festgelegt

7.2 Reliabilität

Pro:

  • Strukturiertes Punktesystem mit definierten Kriterien
  • Konsistenzprüfung (AHP)

Contra:

  • Andere Gewichtungen hätten zu anderen Ergebnissen geführt
  • Transferfunktion nicht dokumentiert

7.3 Validität

Pro:

  • Wirksamkeit als Kernkriterium ist für ein Kampfflugzeug sachgerecht

Contra:

  • Souveränitätsaspekte (ITAR, FMS-Abhängigkeit) nicht adäquat abgebildet
  • Politische Risiken der US-Abhängigkeit nicht bewertet

7.4 Transparenz und demokratische Kontrolle

  • Der vollständige Evaluationsbericht ist klassifiziert
  • Parlamentarische Einsichtsmöglichkeiten (SiK-N, SiK-S, FK-N, FK-S) waren eingeschränkt
  • Im Vergleich: Finnland publizierte einen umfassenden Public Report

8. Zentrale Kritikpunkte (Synthese)

8.1 Strukturelles Problem: Wer evaluiert, entscheidet

armasuisse war gleichzeitig Auftraggeber, Durchführer und Nutzniesser der Evaluation. Eine unabhängige externe Prüfung -- wie in Finnland durch VTT oder in Kanada durch den Auditor General -- fand nicht statt.

8.2 Das Gewichtungsproblem

Die hohe Gewichtung von "Wirksamkeit" (55%) begünstigte ein technologisch führendes Angebot. Die Frage, ob dies politisch gewollt war, bleibt offen.

8.3 Das Kostenproblem

Die FMS-Kosten basieren auf Schätzungen, während europäische Hersteller Festpreise anboten. Ob diese methodisch vergleichbar gemacht wurden, ist nicht transparent.

8.4 Das Transparenzproblem

Die Geheimhaltung des Evaluationsberichts verhindert eine unabhängige Überprüfung und erschwert die demokratische Kontrolle.

8.5 Das Methodenproblem

Der AHP-Kontrasteffekt und die nicht dokumentierte "Transferfunktion" werfen Fragen zur Nachvollziehbarkeit auf.


9. Chronologische Zeitleiste

Datum Ereignis
September 2017 Bundesrat genehmigt Air2030-Programm
2018 Erste Offertanfrage an Hersteller
April-Juni 2019 Flugtests in Payerne
Januar 2020 Zweite Offertanfrage [3]
April 2020 Abgang Sicherheitspolitik-Chef Christian Catrina
27. April 2021 Mündliche Beauftragung Homburger AG [6]
Mai 2021 Änderung der Zahlungsbedingungen
18. Juni 2021 BJ beauftragt mit Nachprüfung des Homburger-Gutachtens
30. Juni 2021 Typenentscheid: F-35A [1]
27. September 2020 Volksabstimmung: Ja zu Air2030 (50.1%)
8. Juli 2022 EFK veröffentlicht Prüfbericht Nr. 21410 [8]
9. September 2022 GPK-N-Bericht mit 5 Empfehlungen [7]
27. Juni 2025 GPK-N beschliesst Inspektion zur Festpreis-Frage [13]

10. Quellenverzeichnis

[1] VBS Medienmitteilung: Typenentscheid F-35A (30.06.2021)

[2] armasuisse Insights: AHP-Methode

[3] armasuisse: Zweite Offertanfrage (Januar 2020)

[4] Saaty, T.L. (1980): The Analytic Hierarchy Process. McGraw-Hill. / Saaty, T.L. (2008): Decision making with the analytic hierarchy process. Int. J. Services Sciences, Vol. 1, No. 1, pp.83-98.

[5] SRF: Juristisch heikle Bewertungsmethode beim Kampfjet-Kauf

[6] NZZ: Die Anwälte von Homburger spielten beim Kauf der Kampfjets eine umstrittene Rolle

[7] GPK-N Bericht vom 9. September 2022 (PDF)

[8] EFK Prüfbericht Nr. 21410: Air2030 Risikomanagement (PDF)

[9] Defense-Aerospace: How Switzerland Manipulated Data to Favor the F-35

[10] Finnish Ministry of Defence: HX Fighter Programme

[11] Government of Canada: Future Fighter Capability Project

[12] BMVg: Tornado-Nachfolger

[13] GPK-N Medienmitteilung: Inspektion Festpreis (01.07.2025)


Verifizierungsprotokoll

URL Status Verifiziert am
armasuisse AHP-Methode Aktiv 06.02.2026
VBS Typenentscheid (Wayback) Archiviert 06.02.2026
EFK Prüfbericht 21410 Aktiv 06.02.2026
GPK-N Bericht 09.09.2022 Aktiv 06.02.2026
NZZ Homburger-Artikel Aktiv 06.02.2026
SRF Bewertungsmethode Aktiv 06.02.2026
Finnland HX Programme Aktiv 06.02.2026
Kanada FFCP Aktiv 06.02.2026

Letzte Aktualisierung: 6. Februar 2026