Neue Abkommen
Zusammenfassung: Die Bilateralen III erweitern die bilaterale Zusammenarbeit auf bisher nicht abgedeckte Bereiche: Strom, Lebensmittelsicherheit und Gesundheit. Zudem erhält die Schweiz Zugang zu wichtigen EU-Programmen wie Horizon Europe (Forschung), Erasmus+ (Bildung) und Digital Europe (Digitalisierung).
¶ Drei neue sektorielle Abkommen
Neben der Aktualisierung bestehender Abkommen werden drei völlig neue Sachgebiete in die bilaterale Zusammenarbeit aufgenommen [1][3]:
¶ 1. Stromabkommen
Das Stromabkommen ist eines der am längsten geforderten neuen Abkommen. Seit über 15 Jahren verhandeln die Schweiz und die EU über eine Integration der Schweiz in den europäischen Strombinnenmarkt [1].
Kerninhalte:
- Gegenseitiger Marktzugang für Strom
- Beteiligung der Schweiz an der europäischen Netzkoordinierung
- Gemeinsame Regeln für den grenzüberschreitenden Stromhandel
- Berücksichtigung der Schweizer Wasserkraft als Speicher- und Regelenergie
Bedeutung für die Schweiz:
Die Schweiz ist als Transitland für Strom und als Standort bedeutender Wasserkraftspeicher eng in das europäische Stromnetz eingebunden. Ohne formelles Abkommen operiert die Schweiz seit Jahren in einer regulatorischen Grauzone -- mit wachsenden Risiken für die Versorgungssicherheit, insbesondere in den Wintermonaten [1].
¶ 2. Lebensmittelsicherheit
Das Abkommen über Lebensmittelsicherheit schafft einen harmonisierten Rahmen für den Handel mit Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen [1][3].
Kerninhalte:
- Gegenseitige Anerkennung von Lebensmittelkontrollen
- Harmonisierte Standards für Lebensmittelsicherheit
- Schnellwarnsystem (Rapid Alert System) für Lebensmittelrisiken
- Anbindung an das bestehende Landwirtschaftsabkommen
Bedeutung:
Die Schweiz exportiert jährlich Lebensmittel im Wert von mehreren Milliarden Franken in die EU. Ein formelles Abkommen reduziert Handelsbarrieren und vereinfacht die Kontrollen an der Grenze [1].
¶ 3. Gesundheit
Das Gesundheitsabkommen ermöglicht eine vertiefte Zusammenarbeit bei Gesundheitskrisen und Pandemien [1][3].
Kerninhalte:
- Beteiligung der Schweiz am EU-Gesundheitssicherheitsrahmen
- Kooperation bei der Pandemiebekämpfung und bei grenzüberschreitenden Gesundheitsbedrohungen
- Zugang zu EU-Beschaffungsmechanismen für Impfstoffe und Medikamente
- Austausch von Gesundheitsdaten und Best Practices
Bedeutung:
Die COVID-19-Pandemie hatte gezeigt, dass die Schweiz ohne formelle Einbindung in EU-Gesundheitsmechanismen bei der Impfstoffbeschaffung und der Krisenkoordination benachteiligt war [1].
¶ Programmteilnahme
Ein wesentlicher Bestandteil der Bilateralen III ist die Wiederherstellung des Zugangs zu EU-Programmen, die seit dem InstA-Abbruch blockiert oder eingeschränkt waren [1][3]:
¶ Horizon Europe (Forschung)
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Programm | Horizon Europe -- grösstes Forschungsförderprogramm der Welt |
| Budget | 95,5 Milliarden Euro (2021-2027) |
| Status bisher | Schweiz als nicht-assoziierter Drittstaat (seit 2021) |
| Status neu | Vollassoziierung |
| Bedeutung | Zugang zu ERC-Grants, Projektkoordination, Netzwerke |
Die Vollassoziierung an Horizon Europe ist für den Schweizer Forschungsstandort von zentraler Bedeutung. Seit der Herabstufung 2021 konnten Schweizer Forschende keine ERC-Grants als Hauptforschende beantragen und keine EU-Forschungskonsortien koordinieren [1].
¶ Erasmus+ (Bildung)
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Programm | Erasmus+ -- EU-Bildungs- und Mobilitätsprogramm |
| Status bisher | Ausschluss seit 2014 (nach Masseneinwanderungsinitiative) |
| Status neu | Assoziierung |
| Bedeutung | Studentenaustausch, Hochschulkooperationen |
Die Schweiz war seit 2014 nicht mehr vollständig an Erasmus+ beteiligt und hatte ein nationales Ersatzprogramm ("Swiss-European Mobility Programme") finanziert. Die Wiederassoziierung ermöglicht die vollständige Teilnahme am europäischen Bildungsaustausch [1].
¶ Digital Europe
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Programm | Digital Europe -- EU-Digitalisierungsprogramm |
| Bereiche | Supercomputing, Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, digitale Kompetenzen |
| Status | Neue Assoziierung |
| Bedeutung | Integration in europäische Digitalinitiativen |
¶ Weitere Programme
Die Bilateralen III sehen zusätzlich die Teilnahme an EU-Programmen in den Bereichen Kultur, Jugend und Sport vor [1].
¶ Finanzierung der Programmteilnahme
Die Schweiz leistet für die Teilnahme an EU-Programmen einen finanziellen Beitrag, der sich nach dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) richtet. Die genauen Beträge werden für jede Programmperiode festgelegt [1].
¶ Quellenverzeichnis
[1] EDA (2026). Paket Schweiz-EU (Bilaterale III). Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. [Open Access]
[3] GTAI (2026). Abkommen des Pakets Schweiz-EU unterzeichnet. Germany Trade & Invest. [Open Access]
Letzte Aktualisierung: März 2026