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EU-Programme: Horizon Europe und Erasmus+

EU-Programme: Horizon Europe und Erasmus+

Kapitel 2.8 der Botschaft (S. 562–619) behandelt die Assoziierung der Schweiz an die EU-Programme Horizon Europe, Erasmus+, Digital Europe und ITER. Die Teilnahme an diesen Programmen ist für den Bildungs-, Forschungs- und Innovationsstandort (BFI) Schweiz von strategischer Bedeutung.


Zusammenfassung

Das European Union Programmes Agreement (EUPA) ist ein transversales Abkommen, das die Schweizer Teilnahme an den zentralen EU-Förderprogrammen regelt. Es umfasst die Programmgeneration 2021–2027 und sieht eine rückwirkende Anwendung ab dem 1. Januar 2025 vor. Die Schweiz verpflichtet sich zu jährlichen Pflichtbeiträgen und erhält im Gegenzug vollen Zugang zu den Fördertöpfen und Netzwerken.

Die Vollassoziierung bietet gegenüber der bisherigen Schweizer Lösung (Übergangsmassnahmen) fünf zentrale Vorteile: Wettbewerbsfähigkeit, Reputationsgewinn, Brain-Gain, Hebelwirkung und internationale Vernetzung.


Die Programme im Überblick

Programm Budget (EU) Beschreibung
Horizon Europe 95.5 Mrd. EUR Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, grösstes ziviles Forschungsprogramm weltweit
Erasmus+ 26.3 Mrd. EUR Bildungsmobilität, Partnerschaften, Politikunterstützung
Digital Europe 8.1 Mrd. EUR Digitale Kompetenzen, Supercomputing, KI, Cybersicherheit
ITER – Internationales Kernfusionsprojekt

Strategische Bedeutung für den BFI-Standort

Die Schweiz gehört zu den innovativsten Ländern der Welt. Dieses Niveau kann nur gehalten werden, wenn Schweizer Forschende, Studierende und Unternehmen gleichberechtigt an den EU-Programmen teilnehmen können.

Fünf Effekte der Vollassoziierung:

  1. Wettbewerb: Zugang zu kompetitiven Ausschreibungen mit den besten europäischen Teams
  2. Reputation: Sichtbarkeit der Schweizer Forschungsexzellenz in internationalen Konsortien
  3. Brain-Gain: Attraktivität für Spitzenforschende durch ERC Grants und Marie-Skłodowska-Curie-Aktionen
  4. Leverage: Hebelwirkung – aus jedem investierten Franken fliessen historisch mehr Mittel zurück
  5. Vernetzung: Integration in europäische Forschungsinfrastrukturen und Innovationsökosysteme

Horizon Europe

Horizon Europe (2021–2027) ist mit 95.5 Milliarden Euro das grösste zivile Forschungsförderprogramm der Welt. Es gliedert sich in drei Pfeiler:

  • Pfeiler 1 – Exzellente Wissenschaft: ERC (European Research Council), Marie-Skłodowska-Curie-Aktionen, Forschungsinfrastrukturen
  • Pfeiler 2 – Globale Herausforderungen: Gesundheit, Klima, Energie, Digitales, Sicherheit
  • Pfeiler 3 – Innovatives Europa: EIC (European Innovation Council), Europäische Innovationsökosysteme

Während der Nicht-Assoziierungsphase (seit 2021) konnten Schweizer Forschende nur eingeschränkt teilnehmen. Die Übergangsmassnahmen des Bundes haben die Lücke teilweise geschlossen, aber die internationale Vernetzung und der Zugang zu ERC Grants waren stark eingeschränkt.


Erasmus+

Erasmus+ fördert die Bildungsmobilität auf allen Stufen – von der Berufsbildung über die Hochschulbildung bis zur Erwachsenenbildung. Das Programm umfasst:

  • Lernmobilität (Studierende, Lernende, Lehrpersonen)
  • Partnerschaften (institutionelle Zusammenarbeit)
  • Politikunterstützung (Bologna-Prozess, Europäischer Qualifikationsrahmen)

Movetia wird als nationale Agentur für die Umsetzung des Erasmus+-Programms in der Schweiz fungieren. Die Schweiz war seit 2014 vom Programm ausgeschlossen und hat mit dem Swiss-European Mobility Programme (SEMP) eine nationale Alternative betrieben.


Digital Europe und ITER

Digital Europe (8.1 Mrd. EUR) fördert die digitale Transformation Europas in fünf Bereichen: Supercomputing, Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, digitale Kompetenzen und Interoperabilität.

ITER ist das internationale Kernfusionsprojekt in Cadarache (Frankreich), an dem die Schweiz über Euratom beteiligt ist.


Finanzielle Aspekte

Position Betrag
Jährliche Pflichtbeiträge (alle Programme) ca. 1.95 Mrd. CHF/Jahr
Davon Horizon Europe ca. 1.6 Mrd. CHF/Jahr
Davon Erasmus+ ca. 250 Mio. CHF/Jahr
Davon Digital Europe ca. 60 Mio. CHF/Jahr
Historische Rückflussquote Horizon >100% (Netto-Empfänger)

Die Beiträge werden nach dem BIP-Schlüssel berechnet. Historisch hat die Schweiz bei Horizon-Programmen mehr Mittel zurückerhalten als eingezahlt – sie war Netto-Empfängerin.


Rückwirkende Anwendung

Eine Besonderheit des EUPA ist die rückwirkende Anwendung ab dem 1. Januar 2025. Dies bedeutet:

  • Schweizer Forschende können rückwirkend an Ausschreibungen teilnehmen
  • Bereits eingereichte Projekte werden berücksichtigt
  • Die Übergangsfinanzierung des Bundes wird schrittweise abgelöst

Kernpunkte

Aspekt Detail
Abkommenstyp Transversales Abkommen (EUPA)
Programmperiode 2021–2027 (7 Jahre)
Rückwirkend ab 1. Januar 2025
Gesamtbudget EU-Programme ca. 130 Mrd. EUR
Schweizer Beitrag ca. 1.95 Mrd. CHF/Jahr
Nationale Agentur Erasmus+ Movetia
Netto-Effekt historisch Schweiz war Netto-Empfängerin

Quellenverzeichnis