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Weltraumprogramme und Satellitennavigation

Weltraumprogramme und Satellitennavigation

Kapitel 2.9 der Botschaft (S. 620–637) regelt die Teilnahme der Schweiz an den EU-Weltraumprogrammen. Das EUSPA-Abkommen ermöglicht den Zugang zu Galileo, EGNOS und Copernicus sowie zum sicherheitsrelevanten Public Regulated Service (PRS).


Zusammenfassung

Die EU betreibt mit Galileo ein eigenes ziviles Satellitennavigationssystem (GNSS) als Alternative zum US-amerikanischen GPS. Die Schweiz kooperiert seit 2014 über ein GNSS-Kooperationsabkommen mit der EU im Bereich Satellitennavigation. Das neue EUSPA-Abkommen (European Union Agency for the Space Programme) erweitert diese Zusammenarbeit erheblich und gibt der Schweiz Zugang zu allen relevanten EU-Weltraumprogrammen.


Die EU-Weltraumprogramme

Programm Beschreibung Schweizer Relevanz
Galileo Ziviles GNSS mit 30 Satelliten, cm-genaue Positionierung Zeitkritische Anwendungen, Rettungsdienste, autonomes Fahren
EGNOS Ergänzungssystem für präzisere GPS/Galileo-Signale Luftfahrt (Instrumentenanflüge), Landwirtschaft
Copernicus Erdbeobachtungsprogramm (Sentinel-Satelliten) Naturgefahren, Klimamonitoring, Raumplanung
PRS Public Regulated Service – verschlüsselter Dienst Sicherheitsbehörden, Verteidigung, kritische Infrastruktur

Galileo – Europas Satellitennavigation

Galileo ist das europäische Pendant zu GPS, GLONASS (Russland) und BeiDou (China). Es bietet:

  • Open Service: Kostenlos für alle Nutzer (Smartphones, Fahrzeuge)
  • High Accuracy Service: Zentimetergenau für professionelle Anwendungen
  • Search and Rescue: Rettungsdienst-Unterstützung mit Rückmeldung
  • Public Regulated Service (PRS): Verschlüsselter Dienst für staatliche Nutzung

Der PRS-Zugang ist sicherheitspolitisch besonders relevant: Er garantiert zuverlässige Navigationssignale auch in Krisensituationen, wenn zivile Signale gestört oder abgeschaltet werden könnten.


EGNOS – Präzisionssteigerung

Das European Geostationary Navigation Overlay Service (EGNOS) verbessert die Genauigkeit von GPS- und Galileo-Signalen auf unter einen Meter. Hauptanwendungen:

  • Präzisionsanflüge in der Luftfahrt (CAT-I-Anflüge)
  • Präzisionslandwirtschaft (GPS-gesteuerte Traktoren)
  • Maritime Navigation in Küstengebieten

Copernicus – Erdbeobachtung

Copernicus liefert über die Sentinel-Satelliten kontinuierliche Erdbeobachtungsdaten. Für die Schweiz sind insbesondere relevant:

  • Naturgefahren-Monitoring: Lawinen, Murgänge, Überschwemmungen
  • Gletscherbeobachtung: Dokumentation des Gletscherrückgangs
  • Luftqualität: Feinstaub, NO₂, Ozon
  • Landnutzung: Raumplanung, Zersiedelung

Finanzielle Aspekte

Position Betrag
Jährliches EU-Budget Weltraumprogramme ca. 84 Mio. EUR/Jahr
Schweizer Beitrag ca. 3.9 Mio. CHF/Jahr
Teilnahmegebühr 2–4% des Programmbudgets
GNSS-Kooperation seit 2014

Die Kosten sind im Vergleich zu den anderen Programmen gering. Es ist keine neue Umsetzungsgesetzgebung nötig – das bestehende Bundesrecht reicht aus.


Kernpunkte

Aspekt Detail
Abkommenstyp EUSPA-Abkommen
Basis GNSS-Kooperationsabkommen 2014
Programme Galileo, EGNOS, Copernicus, PRS
Schweizer Beitrag ca. 3.9 Mio. CHF/Jahr
PRS-Zugang Ja (sicherheitsrelevant)
Umsetzungsgesetzgebung Nicht nötig
Agentur EUSPA (Prag)

Quellenverzeichnis