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SW-Version alpha 0.41
Darstellung: System
Sprache: DE

Schutzkonzept-Kaskade

Stand: März 2026.

Politische Entscheide: Stand 6. September 2026

Neue politische Entscheide geprüft am 6. September 2026; ältere Grundlagen behalten ihren angegebenen Stand.

20.11.2025 — armasuisse erteilte Securiton nach einem Feldversuch in Meiringen den Zuschlag für mehrere teilmobile Mini-Drohnenabwehrsysteme zum Schutz militärischer Infrastruktur. Der Zuschlag dokumentiert die Beschaffung; er belegt noch keine flächendeckende Einsatzbereitschaft. Originalquelle.

27.08.2026 — Das VBS kündigte das Zentrum Unbemannte Systeme mit Tech Hub und militärischem Kommando an. Drohnenbataillon, eigene Rekrutenschule und angepasste Beschaffung sollen den Fähigkeitsaufbau beschleunigen. Auch Rechtsgrundlagen und Zuständigkeiten werden bearbeitet; die Ankündigung ersetzt keine geltende Einsatzbefugnis. Originalquelle.

Vertiefung: Patriot / Air2030 · F-35

Einleitung

Der Schutz kritischer Infrastruktur (KRITIS) vor Drohnen erfordert ein mehrschichtiges Verteidigungskonzept. Kein einzelnes System — weder ein Jammer noch ein Radar — kann allein einen zuverlässigen Schutz gewährleisten. Die Lösung liegt in einer kaskadierten Architektur aus drei ineinandergreifenden Ringen: Perimeter (äusserer Ring), Nahbereich (innerer Ring) und Objektschutz (Punkt-Verteidigung). Jede Stufe kompensiert die Schwächen der anderen.

KRITIS-Schutzkonzept: Kaskadierte Verteidigung kritischer Infrastrukturen

Die drei Verteidigungsringe

Überblick

┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│  PERIMETER (1–10 km)                                            │
│  Detektion · Klassifikation · Frühwarnung · erste Abwehr       │
│  ┌─────────────────────────────────────────────────────────┐   │
│  │  NAHBEREICH (100 m – 1 km)                               │   │
│  │  Tracking · Identifikation · aktive Bekämpfung           │   │
│  │  ┌─────────────────────────────────────────────────┐     │   │
│  │  │  OBJEKTSCHUTZ (< 100 m)                          │     │   │
│  │  │  Letzte Verteidigung · Härtung · physische       │     │   │
│  │  │  Barrieren · Schadensbegrenzung                  │     │   │
│  │  └─────────────────────────────────────────────────┘     │   │
│  └─────────────────────────────────────────────────────────┘   │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘

Ring 1: Perimeter (1–10 km)

Funktion

Der äussere Verteidigungsring dient der Frühwarnung und ersten Abwehr. Ziel ist es, anfliegende Drohnen so früh wie möglich zu detektieren, zu klassifizieren und — wenn möglich — bereits in diesem Stadium abzuwehren, bevor sie den eigentlichen Schutzbereich erreichen.

Detektionssysteme

Technologie Reichweite Stärken Schwächen
3D-Radar (z.B. Terma SCANTER Sphera) 5–10 km Allwetter, 360°, Klassifikation Teuer, Mindestgrösse der Ziele
Passives RF-Scanning 2–5 km Günstig, erkennt Funkverbindungen Nutzlos gegen autonome Drohnen
Elektrooptische Sensoren 1–5 km Visuelle Identifikation Wetterabhängig, begrenzte Reichweite
Akustische Sensoren 200–500 m Günstig, erkennt auch RF-stille Drohnen Kurze Reichweite, Störanfällig

Erste Abwehrmassnahmen im Perimeter

  • Elektronische Störung (Jamming): Unterbrechung der Funkverbindung zwischen Drohne und Pilot im Umkreis von 1–5 km. Rechtlich nur durch autorisierte Behörden zulässig [1].
  • GPS-Denial: Unterbrechung des GPS-Signals, das viele kommerzielle Drohnen zur Navigation benötigen
  • Geofencing-Enforcement: Aktivierung herstellerseitiger Flugverbotszonen (sofern die Drohne kooperiert)
  • Warnung und Abschreckung: Lautsprecher-Durchsagen, Lichtwarnsysteme

Ring 2: Nahbereich (100 m – 1 km)

Funktion

Drohnen, die den Perimeter überwunden haben, müssen im Nahbereich identifiziert und — mit höherer Priorität — bekämpft werden. In dieser Zone steigt die Dringlichkeit: Die verbleibende Reaktionszeit beträgt bei einer Drohne mit 100 km/h nur noch Sekunden.

Tracking und Identifikation

Im Nahbereich kommen hochauflösende Systeme zum Einsatz:

  • PTZ-Kameras mit KI-Bildanalyse: Automatische Erkennung und Verfolgung, Klassifikation des Drohnentyps
  • Multi-Sensor-Fusion: Kombination von Radar-, EO- und RF-Daten zu einem integrierten Lagebild
  • Freund-Feind-Kennung: Unterscheidung zwischen autorisierten (z.B. Polizei-) Drohnen und Bedrohungen

Aktive Bekämpfung

In der Nahbereichs-Zone stehen die meisten aktiven Abwehrmittel zur Verfügung:

  • Abfangdrohnen (z.B. Fortem DroneHunter): Verfolgen und fangen Bedrohungen mit Netzen ein [2]
  • Gerichtete Störsender: Fokussierte Störung der Drohnensteuerung mit engem Wirkungswinkel
  • Laserwaffen (z.B. HELWS von Raytheon): Hochenergie-Laser zerstören Drohnen bei Annäherung
  • Netzwerfer: Boden- oder drohnengestützte Netze, die Propeller blockieren
  • Mikrowellen-Effektoren: Hochenergetische Mikrowellenstrahlung, die Elektronik zerstört

Ring 3: Objektschutz (< 100 m)

Funktion

Der innere Ring bildet die letzte Verteidigungslinie. Er greift, wenn eine Drohne alle äusseren Verteidigungsschichten überwunden hat. Hier stehen passive Massnahmen im Vordergrund — Massnahmen, die auch dann wirken, wenn alle aktiven Systeme versagt haben.

Physische Barrieren

  • Edelstahlnetze und Textilbarrieren: Feste Installation über und um kritische Anlagenteile
  • Schutzgitter: Metallgitter über Lüftungsschächten, Kühlanlagen, Transformatoren
  • Blast-Walls: Explosionsschutzwände um besonders gefährliche Bereiche (z.B. Chemikalientanks)

Härtung der Strukturen

  • Splitterschutz: Verstärkte Fassaden, Sicherheitsverglasung
  • Redundante Systeme: Doppelte Stromversorgung, Backup-Kommunikation
  • Automatische Abschaltung: Sicherheitssysteme, die bei Angriffserkennung kritische Prozesse sicher herunterfahren

Schadensbegrenzung

  • Brandbekämpfungssysteme: Automatische Löschanlagen, die bei Drohneneinschlag aktiviert werden
  • Evakuierungsprotokolle: Trainierte Abläufe für Personal
  • Notfallkommunikation: Unabhängige Warnsysteme

Integration der drei Ringe

Gemeinsames Führungssystem

Die drei Ringe funktionieren nur als integriertes System, wenn sie über ein gemeinsames Führungs- und Lagezentrum verbunden sind. Ein solches Counter-UAS Command & Control (C2) System:

  • Fusioniert Sensordaten aller drei Ringe zu einem einheitlichen Lagebild
  • Koordiniert automatisch die Übergabe zwischen den Ringen (Sensor-Handover)
  • Steuert die Eskalationsstufen: Warnung → elektronische Abwehr → kinetische Abwehr → passive Auffangung
  • Dokumentiert alle Vorfälle für juristische und nachrichtendienstliche Auswertung

Eskalationslogik

Stufe Auslöser Massnahme Ring
1 — Warnung Unbekanntes Flugobjekt detektiert Klassifikation, Alarmierung Personal Perimeter
2 — Identifikation Objekt als Drohne bestätigt Freund-Feind-Kennung, Tracking Perimeter/Nahbereich
3 — Weiches Eingreifen Drohne als Bedrohung eingestuft Jamming, GPS-Denial Nahbereich
4 — Hartes Eingreifen Drohne nicht neutralisiert Abfangdrohne, Laser, Netzwerfer Nahbereich
5 — Letzte Verteidigung Drohne durchgebrochen Physische Barrieren, Härtung Objektschutz
6 — Schadensbegrenzung Einschlag erfolgt Brandschutz, Evakuierung, Notfall Objektschutz

Dimensionierung und Kosten

Die Dimensionierung der Schutzkonzept-Kaskade hängt vom Schutzwert des Objekts und dem angenommenen Bedrohungsprofil ab:

Schutzniveau Objekt-Beispiel Sensoren Effektoren Geschätzter Aufwand
Basis Rechenzentrum, Stadtwerk 1–2 Radarstationen, RF-Scanner Physische Barrieren 1–5 Mio. CHF
Mittel Umspannwerk, Industrieanlage Multi-Sensor-Netzwerk Jammer + Abfangdrohnen 5–15 Mio. CHF
Hoch KKW, Militärbasis, Grossanlass Vollintegriertes C2-System Vollständige Kaskade 15–50+ Mio. CHF

Quellen

[1] Drohnenabwehr — wie ist die Rechtslage? — Protector

[2] Lockheed Martin Picks Fortem To Defend Critical Infrastructure — DroneXL

[3] Perimeter C-UAS Solutions for Drone Detection & Jamming — MyDefence

[4] Protecting Critical Infrastructure from Drone Threats — D-Fend Solutions

[5] Physical Protection of Critical Infrastructure — JIATF-401

[6] Visual drone detection moves into critical infrastructure playbooks — The Robot Report