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Sprache: DE

Forderung 5: KI-Bildung

Wer nicht versteht, was ein Algorithmus ist, kann nicht beurteilen, was ein Algorithmus mit ihm tut.


Kernforderung

KI-Grundkompetenz -- kritisches Denken über Algorithmen, Datenschutz und KI-generierte Inhalte -- muss ab der Sekundarstufe obligatorisch sein. Die ETH Zürich und die EPFL sollen nationale Kompetenzzentren für KI-Bildung werden.


Die Bildungslücke

Die Generation der digitalen Analphabeten

Die Schweizer Schülerinnen und Schüler nutzen KI-Tools täglich -- ChatGPT für Aufsätze, Midjourney für Bilder, GitHub Copilot für Code. Aber sie verstehen nicht, wie diese Systeme funktionieren. Sie können nicht beurteilen, ob eine KI-generierte Antwort korrekt ist, warum ein Algorithmus bestimmte Inhalte zeigt, oder welche ihrer Daten dabei verwendet werden [1].

Das ist, als hätte man einer Generation beigebracht, Auto zu fahren, ohne zu erklären, dass Autos bremsen müssen.

PISA und die Schweiz

Die PISA-Studie 2022 zeigt: Schweizer 15-jährige schneiden in Mathematik und Naturwissenschaften gut ab, aber die digitale Kompetenz -- insbesondere das kritische Bewerten digitaler Informationen -- bleibt unterdurchschnittlich [2]. In einer Welt, in der KI täglich Milliarden von Texten, Bildern und Videos generiert, ist die Fähigkeit, Fakten von Fiktion zu unterscheiden, eine Grundkompetenz wie Lesen und Rechnen.


Was KI-Bildung beinhalten muss

Sekundarstufe I (ab 12 Jahren)

  • Wie funktioniert ein Algorithmus? Grundkonzepte: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Sortieralgorithmen als Einstieg.
  • Was sind Trainingsdaten? Warum KI-Systeme die Vorurteile ihrer Daten übernehmen.
  • Fake oder echt? Erkennung von KI-generierten Texten, Bildern und Deepfakes.
  • Meine Daten gehören mir: Datenschutz, Einwilligung, Recht auf Löschung.

Sekundarstufe II / Gymnasium (ab 16 Jahren)

  • Maschinelles Lernen verstehen: Supervised, unsupervised, reinforcement learning -- ohne Mathematikstudium, aber mit Verständnis.
  • Ethik der KI: Bias, Fairness, Transparenz. Fallstudien: Gesichtserkennung und Rassismus, Kreditscoring und Diskriminierung.
  • KI und Gesellschaft: Arbeitsmarkt, Demokratie, Überwachung. Debattenformat.
  • Praktisch: Eigene einfache KI-Modelle trainieren (z.B. mit Teachable Machine von Google).

Hochschulen

  • ETH Zürich und EPFL als nationale Kompetenzzentren für KI-Bildung: Lehrmaterial, Weiterbildung für Lehrpersonen, Forschung zur KI-Didaktik.
  • Pflichtmodul "KI und Gesellschaft" in allen Studiengängen -- nicht nur in der Informatik.

Vorbilder

Land Massnahme Seit
Finnland "Elements of AI" -- kostenloser Online-Kurs, Ziel: 1% der Bevölkerung 2018
Estland Programmieren ab der 1. Klasse, KI-Strategie im Lehrplan 2019
Singapur AI for Everyone / AI for Industry -- nationale Weiterbildung 2019

Die Schweiz hat mit dem Lehrplan 21 einen Kompetenzbereich "Medien und Informatik" eingeführt [3]. Dieser ist ein Anfang, deckt aber KI-spezifische Themen nur am Rande ab.


ETH AI Center und EPFL AI Center

Das ETH AI Center, eröffnet im Oktober 2020 in Zürich-Oerlikon, bündelt bereits KI-Forschung über Departementsgrenzen hinweg [4]. Das EPFL AI Center tut dasselbe in der Romandie. Beide Institutionen könnten eine führende Rolle in der KI-Bildung übernehmen -- nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Ausbildung von Lehrpersonen und in der Entwicklung von Lehrmaterial für alle Schulstufen.


Quellen

[1] OECD, Education at a Glance 2024: Digital Skills and AI Literacy.

[2] OECD, PISA 2022 Results, Vol. I: Schweiz-Länderbericht.

[3] D-EDK, Lehrplan 21, Kompetenzbereich "Medien und Informatik".

[4] ETH AI Center, Zürich-Oerlikon.