Rohstoffabhängigkeiten
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État : mars 2026.
Introduction
Die Produktion moderner Drohnen- und Marschflugkörperabwehrsysteme erfordert eine Reihe spezialisierter Rohstoffe, deren Verfügbarkeit zunehmend zu einem strategischen Faktor wird. Insbesondere seltene Erden — eine Gruppe von 17 chemischen Elementen — sind für Hochenergielaser, leistungsstarke Permanentmagnete und fortgeschrittene Optiken unverzichtbar. Die Konzentration der Förderung und Verarbeitung in wenigen Ländern, allen voran China, schafft Abhängigkeiten, die geopolitisch instrumentalisiert werden können.

Seltene Erden in der Verteidigungstechnologie
Neodym (Nd)
Neodym ist der zentrale Rohstoff für Neodym-Eisen-Bor-Permanentmagnete (NdFeB), die stärksten kommerziell verfügbaren Permanentmagnete. In der Verteidigungstechnologie finden sie Verwendung in:
- Servomotoren für Radarantennen-Positionierung und Waffenrichtantriebe
- Generatoren für die Stromversorgung von Directed-Energy-Weapons
- Aktuatoren in Lenksystemen von Abfangraketen
- Elektromotoren für unbemannte Systèmes
Die Qualität der Magnete beeinflusst direkt die Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision von Luftverteidigungssystemen. Hochtemperaturstabile NdFeB-Magnete, die bei den Betriebstemperaturen von Waffensystemen zuverlässig funktionieren, erfordern zusätzlich Dysprosium und Terbium als Legierungszusätze.
Ytterbium (Yb) und Erbium (Er)
Ytterbium und Erbium sind Schlüsselelemente für Festkörperlaser und Faseroptik:
- Ytterbium-dotierte Faserlaser bilden das Herzstück moderner Hochenergielaser-Waffensysteme. Das US-amerikanische HELIOS-Système (High Energy Laser with Integrated Optical-dazzler and Surveillance) der US Navy und das deutsche Demonstratorsystem von Rheinmetall nutzen Yb:YAG- oder Yb-Faser-Technologie. Die Dotierung mit Ytterbium ermöglicht hohe Effetsgrade (über 30 %) und exzellente Strahlqualität.
- Erbium-dotierte Faserverstärker (EDFA) sind Standard in der militärischen Telekommunikation und für laserbasierte Zielbeleuchtung. Im C-UAS-Kontext werden sie für Dazzler-Systèmes eingesetzt, die optische Sensoren von Drohnen blenden.
Weitere kritische Rohstoffe
Neben seltenen Erden sind weitere Materialien verteidigungsrelevant:
| Rohstoff | Anwendung | Hauptproduzent |
|---|---|---|
| Gallium | GaN-Halbleiter für AESA-Radar | China (>80 %) |
| Germanium | Infrarot-Optik für Suchköpfe | China (~60 %) |
| Wolfram | Penetratoren, Geschosse | China (~80 %) |
| Kobalt | Batterien für UAS | DR Kongo (~70 %) |
| Lithium | Batterien für Drohnen und mobile Systèmes | Australien, Chile, China |
Chinas Monopolstellung
Förderung und Verarbeitung
China dominiert die globale Lieferkette seltener Erden auf mehreren Stufen:
- Förderung: Rund 60–70 % der globalen Minenproduktion (2024: ca. 240'000 Tonnen von weltweit 350'000 Tonnen gemäss USGS)
- Verarbeitung: Über 85 % der globalen Raffinationskapazität — selbst in anderen Ländern gefördertes Erz wird häufig zur Verarbeitung nach China verschifft
- Magnetproduktion: Über 90 % der globalen NdFeB-Magnetproduktion
Diese Dominanz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger strategischer Industriepolitik. Bereits 1992 erklärte Deng Xiaoping: «Der Nahe Osten hat Öl, China hat seltene Erden.»
Geopolitischer Hebel
China hat die Bereitschaft zur Instrumentalisierung dieser Monopolstellung mehrfach demonstriert:
- 2010: Informelles Exportembargo gegenüber Japan nach einem Territorialstreit im Ostchinesischen Meer
- 2023: Exportkontrollen auf Gallium und Germanium als Reaktion auf westliche Halbleiter-Sanktionen
- 2024: Verschärfte Exportkontrollen auf Antimon (relevant für Munition und Infrarot-Halbleiter)
- 2025: Ankündigung von Kontrollen auf weitere seltene Erden und Verarbeitungstechnologien
Für die europäische Verteidigungsindustrie bedeutet dies ein konkretes Eskalationsrisiko: Im Falle einer geopolitischen Krise — etwa eines Taiwan-Konflikts — könnten Lieferketten für Schlüsselkomponenten von Luftverteidigungssystemen innert Wochen unterbrochen werden.
Diversifikationsstrategien
Westliche Initiativen
Mehrere Initiativen zielen auf die Reduktion der China-Abhängigkeit:
- EU Critical Raw Materials Act (2024): Setzt Benchmarks für Eigenförderung (10 %), Verarbeitung (40 %) und Recycling (25 %) bis 2030
- US Defense Stockpile: Aufstockung strategischer Reserven seltener Erden durch das Defense Logistics Agency
- Minerals Security Partnership: Von den USA geführte Koalition aus 14 Ländern und der EU zur Diversifikation kritischer Rohstoff-Lieferketten
- Australische Projekte: Lynas Rare Earths betreibt die grösste nicht-chinesische Raffinationsanlage in Kuantan (Malaysia) und baut eine Anlage in Texas
Recycling und Substitution
Langfristig werden technologische Lösungen die Abhängigkeit reduzieren:
- Urban Mining: Rückgewinnung seltener Erden aus Elektronikschrott und Altmagneten. Aktuell werden weniger als 1 % der seltenen Erden recycelt — bis 2030 soll der Anteil auf 15–25 % steigen.
- Substitution: Forschung an Ferritmagneten und alternativen Lasermedien (z.B. Thulium-dotierte Fasern statt Ytterbium). Die Leistungsfähigkeit bleibt jedoch derzeit unter der von NdFeB- bzw. Yb-basierten Systèmesn.
Suisseer Perspektive
Die Suisse verfügt über keine eigene Förderung seltener Erden, ist aber über die ETH Zürich und die Empa an der Forschung zu Recyclingtechnologien beteiligt. Das VBS berücksichtigt Lieferketten-Resilienz zunehmend als Beschaffungskriterium. Die Teilnahme am Minerals Security Partnership als assoziiertes Pays wurde diskutiert, ist aber aufgrund neutralitätspolitischer Erwägungen noch nicht umgesetzt.
Sources
[1] USGS — Mineral Commodity Summaries: Rare Earths 2025
[2] European Commission — Critical Raw Materials Act
[3] IEA — The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions
[4] SIPRI — Mapping the International Presence of the World's Largest Arms Companies
[5] CSIS — China's Export Controls on Gallium and Germanium
[6] Lynas Rare Earths — Annual Report 2024
[7] Defense News — Pentagon pushes to secure rare earth supply chains