Stadi: mars 2026.
Drohnenabwehr ist nicht nur eine technische, sondern auch eine geopolitische Frage. Wer die Schlüsseltechnologien kontrolliert — Halbleiter, seltene Erden, Hochleistungssensoren — bestimmt, wer sich verteidigen kann und wer nicht.
Da tge sa tracti? Diese Survista beleuchtet die geopolitischen Abhängigkeiten hinter der Drohnenabwehr: die europäische Aufrüstung, die Halbleiter-Souveränität und kritische Rohstoffabhängigkeiten.
Pertge è quai impurtant? Europa — und insbesondere die Schweiz — importiert zentrale Komponenten aus wenigen Funtaunas. Ein einzelner Lieferunterbruch (etwa bei taiwanesischen Chips oder chinesischen Seltenen Erden) kann ganze Verteidigungsprogramme verzögern.
Die Entwicklung und Produktion moderner Drohnen- und Marschflugkörperabwehrsysteme ist untrennbar mit geopolitischen Abhängigkeiten verbunden. Von seltenen Erden für Hochenergielaser über Galliumnitrid-Halbleiter für AESA-Radarmodule bis hin zu den politischen Rahmenbedingungen europäischer Rüstungskooperation — die Lieferketten der Verteidigungsindustrie sind verwundbar und strategisch bedeutsam.
Moderne Luftverteidigungssysteme der neuesten Generation basieren auf einer Reihe von Schlüsseltechnologien, die wiederum von spezifischen Rohstoffen und Fertigungskapazitäten abhängen. Diese Abhängigkeiten konzentrieren sich auf drei zentrale Bereiche:
Seltene Erden — insbesondere Neodym, Ytterbium und Erbium — sind unverzichtbar für die Produktion von Festkörperlasern, leistungsstarken Permanentmagneten und optischen Komponenten. China kontrolliert gemäss SIPRI und der International Energy Agency (IEA) rund 60–70 % der globalen Förderung und über 85 % der Verarbeitungskapazitäten. Diese Konzentration stellt ein erhebliches strategisches Risiko dar, das durch Chinas Exportbeschränkungen auf Gallium und Germanium seit 2023 weiter verschärft wurde.
Galliumnitrid (GaN) ist das Schlüsselmaterial für die Transmit/Receive-Module moderner AESA-Radaranlagen. Die Fähigkeit, GaN-Wafer in militärischer Qualität zu produzieren, ist auf wenige Länder beschränkt — primär die USA, Japan und in zunehmendem Mass Europa (Frankreich, Deutschland). Die fortschreitende Miniaturisierung und Leistungssteigerung dieser Module ist entscheidend für die Wirksamkeit von Luftverteidigungsradaren gegen kleine Ziele mit geringem Radarquerschnitt.
Die europäische Aufrüstung — angetrieben durch den Ukraine-Krieg und die veränderte transatlantische Sicherheitsarchitektur — hat zu bedeutenden Initiativen geführt. Die European Sky Shield Initiative (ESSI), das ReArm-Europe-Programm der EU und Chinas strategische Exportpolitik für Laserwaffen sind die drei dominierenden geopolitischen Dynamiken in diesem Bereich.
Die drei Bereiche sind eng miteinander verwoben. Europas Fähigkeit zur eigenständigen Produktion von Luftverteidigungssystemen hängt sowohl von der Rohstoffverfügbarkeit als auch von der Halbleiter-Fertigungskapazität ab. Gleichzeitig beeinflussen geopolitische Entscheidungen — wie Exportkontrollen oder Beschaffungskooperationen — die Lieferketten direkt.
Ein Beispiel illustriert diese Verflechtung: Das deutsche IRIS-T SLM-System von Diehl Defence, eines der meistgefragten Kurzstrecken-Luftverteidigungssysteme seit dem Ukraine-Krieg, benötigt für seinen Suchkopf Infrarot-Detektoren, deren Substrate auf seltenen Erden basieren. Die AESA-Radare, die als Feuerleitradar dienen, benötigen GaN-Module. Und die Finanzierung der Beschaffung erfolgt teilweise über EU-Programme wie den European Defence Fund (EDF).
Dieses Kapitel gliedert sich in drei Detailseiten:
Die Schweiz ist als Nicht-NATO- und Nicht-EU-Mitglied in einer besonderen Lage. Einerseits ist sie Beobachterin der European Sky Shield Initiative und profitiert von der europäischen Beschaffungskoordination. Andererseits unterliegt sie als neutraler Staat Einschränkungen bei der Integration in kollektive Verteidigungsstrukturen. Die Schweizer Armee evaluiert derzeit unter dem Programm «Luftverteidigung der Zukunft» neue Systeme, wobei die Verfügbarkeit und Unabhängigkeit der Lieferketten ein zentrales Beschaffungskriterium darstellt.
[1] SIPRI — Trends in International Arms Transfers, 2024
[2] European Commission — European Defence Industrial Strategy
[3] CSIS — Critical Minerals and the U.S. Defense Supply Chain
[4] European Defence Agency — Capability Development Plan