Gesicherter Binnenmarktzugang
Zusammenfassung: Das aktualisierte MRA-Abkommen sichert den Zugang für Schweizer Industrieexporte im Wert von über 96 Milliarden Franken jährlich. Die MRA-Blockade im Bereich Medizintechnik wird aufgehoben. Kritiker wenden ein, dass dieser Zugang auch ohne institutionelle Anbindung möglich wäre.
¶ Der Vorteil
¶ MRA -- Das Rückgrat der Exportwirtschaft
Das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (Mutual Recognition Agreement, MRA) ist wirtschaftlich das bedeutendste der bilateralen Abkommen. Es ermöglicht Schweizer Unternehmen, ihre Produkte ohne doppelte Zulassungsverfahren in der EU zu verkaufen [1][4].
Zahlen zum MRA (2023) [4]:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| MRA-Handelsvolumen Schweiz-EU | >96 Mrd. CHF |
| Anteil an Industrieexporten in die EU | 72% |
| Betroffene Sektoren | Maschinen, Pharma, Medtech, Elektrotechnik, Chemie |
¶ Die Medtech-Blockade
Seit Mai 2021 ist das MRA-Kapitel für Medizinprodukte suspendiert. Schweizer Medtech-Unternehmen müssen seither [1][4]:
- Doppelte Zulassungsverfahren in der Schweiz und der EU durchlaufen
- Autorisierte EU-Vertreter benennen -- mit geschätzten Mehrkosten von 75'000-125'000 CHF pro Unternehmen und Jahr
- Längere Time-to-Market in Kauf nehmen -- ein Wettbewerbsnachteil gegenüber EU-Konkurrenten
Die Bilateralen III reaktivieren das MRA im Bereich Medizintechnik und aktualisieren es auf den neuesten EU-Rechtsstand [1][5].
¶ Aktualisierung aller Binnenmarktabkommen
Neben dem MRA werden fünf weitere bestehende Binnenmarktabkommen aktualisiert (→ Aktualisierte Abkommen) [1][5]:
| Abkommen | Aktualisierung |
|---|---|
| Personenfreizügigkeit (FZA) | Konkretisierte Schutzklausel, institutionelle Elemente [1] |
| Landverkehr | Anpassung an aktuelle EU-Vorschriften [1] |
| Luftverkehr | Aktualisierung der Luftfahrtregulierung [1] |
| Landwirtschaft | Erweiterung um Lebensmittelsicherheit [1] |
| Öffentliches Beschaffungswesen | Modernisierung der Vergaberegeln [1] |
¶ Wirtschaftlicher Nutzen
economiesuisse beziffert den wirtschaftlichen Gesamtnutzen der Bilateralen III auf Basis einer BAK-Economics-Studie [4]:
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Pro-Kopf-Nutzen (kumuliert bis 2045) | ~45'700 CHF |
| Pro-Kopf-Nutzen (jährlich bis 2045) | ~5'200 CHF |
| Vermiedene Erosionskosten | ~1,3 Mrd. CHF/Jahr |
| Einsparung Stromsystem | bis 1 Mrd. CHF/Jahr |
Hinweis: Die BAK-Studie wurde im Auftrag von economiesuisse erstellt. Die Zahlen sind im Kontext dieser Auftraggeberschaft zu lesen [4].
¶ Die Einwände
¶ Kosten des Zugangs
Kritiker argumentieren, der gesicherte Binnenmarktzugang sei nicht "gratis" [2]:
- Die Gegenleistung -- dynamische Rechtsübernahme, EuGH-Rolle, Kohäsionszahlungen -- schränke die Schweizer Souveränität ein [2]
- Die Kosten (rund 1,4 Mrd. CHF/Jahr) seien hoch (→ Kosten und Zahlungen) [4]
- Die EU könne den Marktzugang als Druckmittel nutzen, um die Schweiz zur Rechtsübernahme zu bewegen [2]
¶ Alternative Wege
autonomiesuisse plädiert für eine autonome Strategie: Die Schweiz könne über eigenständige Regulierung und bilaterale Freihandelsabkommen ihren wirtschaftlichen Zugang sichern, ohne sich institutionell an die EU zu binden [2].
¶ Quellenverzeichnis
[1] EDA (2026). Paket Schweiz-EU (Bilaterale III). Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten. [Open Access]
[2] UNSER RECHT (2026). Bilaterale III -- um was geht es? Informationsplattform. [Open Access]
[4] economiesuisse (2026). Bilaterale III -- Die beste Option. Dossier Politik. [Open Access] Hinweis: Wirtschaftsdachverband.
[5] Bundesrat (2026). Erläuternder Bericht zur Vernehmlassung. Schweizerische Eidgenossenschaft. [Open Access]
Letzte Aktualisierung: März 2026