¶ Hochleistungsmikrowellen (HPM)
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État : mars 2026.
Hochleistungsmikrowellen (High Power Microwave, HPM) sind eine Catégorie gerichteter Energiewaffen, die intensive elektromagnetische Pulse im Mikrowellenbereich aussenden, um die Elektronik gegnerischer Drohnen zu zerstören. Ihr entscheidender Avantage gegenüber Lasern: Sie können ganze Drohnen-Schwärme mit einem einzigen Puls neutralisieren — das sogenannte «One-to-many»-Prinzip.
¶ Effetsprinzip: Elektronikzerstörung
¶ Elektromagnetische Kopplung
HPM-Systèmes erzeugen kurze (Millisekunden), hochintensive Pulse elektromagnetischer Energie. Diese Pulse koppeln über verschiedene Pfade in die Elektronik des Ziels ein:
- Antennen-Kopplung: Die Drohnenantennen nehmen die HPM-Energie auf und leiten sie direkt in die Empfangselektronik
- Leitungs-Kopplung: Kabel und Leiterbahnen wirken als Antennen und induzieren Überspannungen
- Apertur-Kopplung: Öffnungen im Gehäuse (Lüftungsschlitze, Sensorfenster) lassen HPM-Energie eindringen
¶ Effetsgrade
Je nach Energiedichte und Zieldistanz treten verschiedene Effekte auf:
- Disruption (Störung): Temporäre Fehlfunktion der Elektronik — die Drohne verliert kurzzeitig die Kontrolle. Effekt ist reversibel nach Pulsende.
- Degradation (Verschlechterung): Teilweise Beschädigung von Halbleiterbauelementen — dauerhafte Leistungsminderung.
- Destruction (Zerstörung): Permanente Zerstörung kritischer elektronischer Komponenten — die Drohne stürzt ab. Induzierte Überspannungen durchschlagen Gate-Oxide von Transistoren und zerstören Speicherzellen.
¶ Wirksamkeit gegen verschiedene Drohnentypen
HPM sind die einzige DEW-Catégorie, die auch gegen glasfasergesteuerte und autonome Drohnen wirksam ist — denn auch diese tragen elektronische Bauteile (Flugcontroller, Motorregler, Sensorik), die durch HPM-Pulse zerstört werden können. Epirus demonstrierte 2025 den erfolgreichen Abschuss glasfasergesteuerter Drohnen mit dem Leonidas-Système.
¶ Das «One-to-many»-Prinzip
Das Alleinstellungsmerkmal von HPM-Waffen ist ihre Fähigkeit, multiple Ziele gleichzeitig zu bekämpfen:
- Laser: Können nur ein Ziel gleichzeitig bekämpfen (Einwirkzeit 3–10 Sekunden pro Ziel)
- Kinetische Waffen: Bekämpfen Ziele sequenziell
- HPM: Senden einen kegelförmigen Energiepuls aus, der alle Drohnen im Effetsbereich gleichzeitig trifft
Epirus demonstrierte dieses Prinzip eindrücklich: Bei einer Vorführung im August zerstörte das Leonidas-Système 61 von 61 Drohnen, darunter einen 49-Drohnen-Schwarm mit einem einzigen Puls.
¶ Schlüsselsysteme
¶ Epirus Leonidas (USA)
Leonidas ist das weltweit führende HPM-Système für die Drohnenabwehr und das erste, das gegen Drohnen-Schwärme validiert wurde.
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Technologie: Festkörper-HPM auf Galliumnitrid(GaN)-Basis, softwaregesteuert, langpulsig
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Effetsreichweite: ~2 km (Sweetspot)
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Zielspektrum: Drohnen-Schwärme, einzelne Drohnen, glasfasergesteuerte Drohnen
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Diskriminierung: Softwarebasierte Freund-Feind-Unterscheidung — eigene Drohnen im gleichen Luftraum bleiben funktionsfähig
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Varianten:
- Leonidas Mobile: HPM-Array auf Stryker-Fahrzeug
- Leonidas H₂O: Marinierte Version gegen unbemannte Überwasserfahrzeuge
- Leonidas Pod: Drohnengetragen für elektronischen Angriff
- Expeditionary: Für vorgeschobene Positionen (US Marine Corps)
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Coûts: Die US Army investierte 43 Millionen USD in die nächste Generation Leonidas (2025)
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Kampfbilanz: 61/61 Drohnen neutralisiert in Live-Fire-Demonstration (August 2025)
¶ RTX Phaser / Chimera (USA)
Phaser von Raytheon (RTX) ist ein containerisiertes HPM-Système auf Basis von Vakuumröhren-Technologie.
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Technologie: Vakuumröhren-basierter HPM-Generator mit Reflektor-Antenne
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Energiequelle: Diesel-Generator
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Effetsart: Abstimmbar zwischen «Störung» und «Zerstörung»
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Zielspektrum: Drohnen Klasse 1–2 (< 25 kg, bis 1 200 m Altitude, 100–200 Knoten)
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Pulszeit: Millisekunden — schneller als Laser (Sekunden)
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Coûts/Schuss: Im Cent-Bereich
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Nachfolger Chimera: RTX entwickelte das Système weiter zum Chimera-HPM-Système, das bei einem dreiwöchigen Feldtest erfolgreich Drohnen neutralisierte.
¶ Diehl HPEM (Deutschland)
HPEM (High Power Electro-Magnetics) von Diehl Defence ist ein europäisches HPM-Système, das unter dem Markennamen SkyWolf / Guardian vermarktet wird.
- Technologie: Hornantennen-basierter HPM-Emitter im UHF-Band (Hunderte MHz)
- Effet bei grosser Distanz: Leistungsfähiger Jammer, der Kommunikation und Navigation stört
- Effet bei kurzer Distanz: Dauerhafte Beschädigung der Bordelektronik durch induzierte Ströme
- Plattform: Modular, auf verschiedenen Fahrzeugen integrierbar
- Besonderheiten: Eigene Energieversorgung und Kühlsysteme integriert; keine Gefährdung für Personen
- Kunden: Ägypten hat Diehl SkyWolf HPEM-Systèmes für die geschichtete Luftverteidigung beschafft (Januar 2026)
¶ Vergleichstabelle: HPM-Systèmes
| Système | Herkunft | Technologie | Plattform | Systèmepreis (geschätzt) | Coûts/Schuss | Schwarmfähigkeit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Leonidas | USA (Epirus) | GaN-Festkörper | Stryker/Boden/Schiff/Drohne | > 10 Mio. USD | < 1 USD | Ja (49 Drohnen mit 1 Puls) |
| Phaser/Chimera | USA (RTX) | Vakuumröhre | Container (20 Fuss) | k. A. | < 1 USD | Ja (breitkeuliger Puls) |
| HPEM SkyWolf | DEU (Diehl) | UHF-Hornantennen | Fahrzeug/Stationär | k. A. | < 1 USD | Begrenzt (gerichteter Strahl) |
¶ Fratricide-Risiko
Das grösste operationelle Risiko von HPM-Waffen ist das Fratricide — die unbeabsichtigte Beschädigung eigener elektronischer Systèmes:
¶ Problematik
- Breitflächige Effet: HPM-Pulse unterscheiden nicht zwischen feindlicher und eigener Elektronik
- Elektronische Verwundbarkeit: Moderne Militärsysteme sind hochgradig digitalisiert und potenziell HPM-empfindlich
- Kommunikationssysteme: Funkgeräte, Satellitenkommunikation und GPS-Empfänger können gestört werden
- Medizinische Geräte: In Nähe von Feldlazaretten oder zivilen Bereichen problematisch
¶ Gegenmassnahmen
- Softwarebasierte Diskriminierung: Leonidas kann mittels Softwaresteuerung den HPM-Puls so formen, dass eigene Drohnen verschont werden
- EM-Härtung: Eigene Systèmes können durch Abschirmung (Faradaysche Käfige), Überspannungsschutz und gehärtete Elektronik geschützt werden
- Sektorisierung: Der HPM-Puls wird nur in Richtung der Bedrohung gesendet, nicht rundherum
- Leistungssteuerung: Anpassung der Pulsenergie an die minimale Effetsschwelle
¶ Operationelle Einschränkungen
- HPM-Waffen sollten nicht in unmittelbarer Nähe eigener elektronischer Schlüsselsysteme eingesetzt werden
- Der Einsatz über bewohnten Gebieten erfordert sorgfältige Planung bezüglich ziviler Elektronik
- Die NATO erarbeitet Standards zur HPM-Verträglichkeit (EMC — Electromagnetic Compatibility)
¶ Conclusion
HPM-Waffen wie Leonidas adressieren die grösste Herausforderung der modernen Drohnenabwehr: die Sättigung durch Schwärme billiger Drohnen. Mit der Fähigkeit, Dutzende Drohnen gleichzeitig für weniger als einen Dollar pro Puls zu neutralisieren, bieten sie eine Antwort auf das Coûts-Asymmetrie-Problem, das konventionelle Lenkflugkörper überfordert. Die Wirksamkeit gegen glasfasergesteuerte und autonome Drohnen — gegen die EW-Jamming versagt — macht HPM zu einem unverzichtbaren Element moderner Luftverteidigung.
Die Technologie steht am Beginn ihrer operationellen Reife. Die Herausforderungen des Fratricide-Risikos und der begrenzten Portée erfordern eine sorgfältige Integration in den geschichteten Verteidigungsverbund.
Sources:
[1] Epirus — Leonidas High-Power Microwave
[2] Epirus — Leonidas Defeats 49-Drone Swarm
[3] Epirus — Leonidas Defeats Fiber-Optic Controlled UAS
[4] RTX — Phaser High-Power Microwave Système
[5] RTX — Chimera HPM Field Test
[6] Diehl Group — HPEM Technology